Separat-Konvention
 zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich

vom 12. Oktober 1871

 

Der Fürst Otto v. Bismarck-Schönhausen, Kanzler des Deutschen Reichs, und der Graf Harry von Arnim, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister Seiner Majestät des Deutschen Kaisers am heiligen Stuhle, handelnd im Namen des Deutschen Reichs, einerseits,

andererseits Herr Augustin Thomas Joseph Pouyer-Quertier, Mitglied der Nationalversammlung, Finanzminister und speziell ernannter Bevollmächtigter der Französischen Republik, bestallt als solcher durch ein Schreiben des Präsidenten der Französischen Republik, d. d. 6. Oktober 1871, handelnd im Namen Frankreichs,

haben vereinbart, wie folgt:

Artikel 1. Die Regierung Seiner Majestät des Deutschen Kaisers verpflichtet sich, die sechs Departements Aisne, Aube, Cote D'Or, Haute Saone, Doubs und Jura zu räumen und die Okkupations-Armee auf 50,000 Mann zu reduziren, in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des dritten Artikels des Vertrages vom 26. Februar 1871. Die Ausführung dieser Maßregeln wird stattfinden in den fünfzehn Tagen, welche auf die Ratifikation der gegenwärtigen Konvention folgen werden.

Artikel 2. Die Französische Regierung ihrerseits verpflichtet sich:
1) Fünfhundert Millionen Franken, welche die vierte halbe Milliarde der Kriegskosten-Entschädigung bilden;
2) 150 Millionen Franken, welche die erste am 2. März 1872 fällige Rate der Zinsen von den Seiten Frankreichs noch geschuldeten drei Milliarden bilden, in folgender Weise zu bezahlen, und zwar
    am 15. Januar 1872    80 Millionen Frks.
    am 1. Februar 1872    80 Millionen Frks.
    am 15. Februar 1872    80 Millionen Frks.
    am 1. März 1872    80 Millionen Frks.
    am 15. März 1872    80 Millionen Frks.
    am 1. April 1872    80 Millionen Frks.
    am 15. April 1872    80 Millionen Frks.
    am 1. Mai 1872    80 Millionen Frks.

Ganze Summe     650 Millionen Frks.

Man ist darüber einig, daß die Verabredungen des dritten Alinea des 7. Artikels des Frankfurter Vertrages vom 10. Mai 1871 für die oben bezeichneten Zahlungen in Kraft bleiben.

Artikel 3. Im Falle, daß die Bestimmungen der vorhergehenden Artikels nicht ausgeführt werden sollten, werden die Truppen seiner Majestät des Deutschen Kaisers das, in Gemäßheit der Bestimmungen des 1. Artikels dieser Konvention geräumte Terrain wieder zu besetzen das Recht haben.

Man ist außerdem darüber einig, daß das Gebiet der im ersten ARtikel bezeichneten und von den deutschen Truppen geräumten Departements in militairischer Beziehung für neutral erklärt werden soll.

Bis zur Bezahlung der im vorhergehenden Artikel erwähnten Summen darf Frankreich in jenen Departements nur eine bewaffnete Macht halten, welche für die Aufrechthaltung der Ordnung nöthig ist.

Die Französische Regierung behält sich das Recht vor, vor den oben bezeichneten Zahlungsterminen Zahlungen zu leisten.

Artikel 4. Die gegenwärtige in deutscher und französischer Sprache redigirte Konvention wird von Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser einerseits und dem Präsidenten der Französischen Republik andererseits ratifizirt werden, und die Ratifikationen sollen in einem Zeitraum von acht Tagen oder früher, wenn es möglich ist, in Versailles ausgewechselt werden.

    Zu Urkund dessen haben die Bevollmächtigten dieselbe unterzeichnet und ihre Siegel beigedrückt.

    So geschehen zu Berlin, den zwölften Oktober achtzehn hundert ein und siebenzig.

v. Bismarck.

Arnim

Pouyer-Quertier


Die Auswechselung der Ratifikations-Urkunden hat zu Versailles am 20. Oktober 1871 stattgefunden.

 

File:Deutsches Reichsgesetzblatt 1873 029 365.jpg

 

 


Quellen: Reichsgesetzblatt 1871, S. 369
© 20. Januar 2010
Home             Zurück