Daten zu den beiden Mecklenburg

Mecklenburg-Schwerin
besteht aus dem Herzogtum Schwerin oder dem mecklenburgischen Kreise, dem Herzogtum Güstrow oder dem wendischen Kreise, dem rostocker Distrikt, dem Fürstentum Schwerin und der Herrschaft Wismar.
Flächeninhalt: 244.12 QM (=12442 qkm)

Mecklenburg-Strelitz
besteht aus dem Herzogtum Strelitz (stargardischer Kreis) und dem Fürstentum Ratzeburg
Flächeninhalt: 49.49 QM (=2725 qkm)

Karte Mecklenburg (1867)

Einführung in den mecklenburgischen Erbvergleich von 1755

Beschreibung der mecklenburgischen Verfassung aus "Meyers Conversations-Lexikon 2. Auflage 1867"


Der mecklenburgische Erbvergleich von 1755
Einführung /Geschichte

Der Landes-Grund-Gesetzliche Erb-Vergleich vom 18. April 1755 bildete den Schlußpunkt des sich seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts in den mecklenburgischen Herzogtümern entfaltenden ständisch-patrimonialen Herrschafts- und Verfassungssystems und blieb bis zum Jahre 1918, im Kern unverändert, als gemeinsames Verfassungsrecht der Herzogtümer (seit 1815 Großherzogtümer) Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz in Geltung. Die beiden mecklenburgischen Staaten tradierten so am beharrlichsten altständische Verfassungsstrukturen in die deutsche Verfassungsgeschichte des 19. Jahrhunderts, während sie im übrigen Deutschland im Zuge der Neuordnung in der Zeit Napoleons allenthalben verschwanden. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß die deutschen konstitutionellen Verfassungen beim Wahlmodus und bei der Zusammensetzung der Kammern noch lange sozialständische Verfassungselemente bewahrt haben.

Der Erbvergleich war der Form nach ein landesherrliches Privileg, der Sache nach ein Vertrag zwischen Landesherrschaft und Ständen, zustande gekommen nach langwierigen Verhandlungen auf der Grundlage früherer Vereinbarungen, in dem die Herzöge die politischen und sozialen Privilegien der Stände als Korporation wie auch der einzelnen Stände anerkannten, während die Stände ihrerseits sich zu bestimmten finanziellen Leistungen verpflichteten.

Der Erbvergleich steht am Ende einer Reihe vorhergehender Vereinbarungen zwischen Herzögen und Ständen, deren wichtigste, die Landständische Union von 1523, die Vereinigung der Stände der einzelnen zu Mecklenburg gehörenden Territorien zu einer Gesamtkorporation zum Inhalt hatte, die den Herzögen nun als eigener Rechtsträger gegenübertrat. Daneben ist der Assecurationsrevers von 1555 zu nennen, der den Ständen ein freies Steuerbewilligungsrecht einräumte, sowie der Revers und Assecurationsrevers vom 23. Februar 1621, der die Einheit der Stände hinsichtlich der Landtage, der wichtigsten Steuern (Kontribution) und der evangelisch-lutherischen Konfession festlegte und den Ständen eine eigene, zur Verwaltung der herzoglichen Schulden eingerichtete Kasse (Landkasten) zugestand. Diese ständischen Einrichtungen haben die Einheit des Landes gegenüber mehrfachen Landesteilungen gewahrt.

So auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als anhaltende Auseinandersetzungen zwischen Landesherrn und Ständen sowie Erbfolgestreitigkeiten eine Neuregelung der inneren Verhältnisse Mecklenburgs durch den mit Hilfe eines kaiserlichen Schiedsgerichts zustande gekommenen sog. Hamburgischen Vergleich vom 8. März 1701 notwendig machten. Aufgrund dieses Vertrages wurde Mecklenburg endgültig in die Herzogtümer Schwerin und Strelitz aufgeteilt, deren Selbständigkeit aber durch das Weiterbestehen der ständischen Union, d.h. gemeinsamer Landtage, des Landkastens sowie des Hof- und Landgerichtes eingeschränkt war.

In den auf diesen Vergleich folgenden Jahrzehnten versuchten die Strelitzer Herzöge die ständische Union aufzulösen, während im Herzogtum Schwerin insbesondere Herzog Karl Leopold ein absolutistisches Regiment anstrebte. Er scheiterte jedoch am zähen Widerstand der Stände und seinen hochfliegenden außenpolitischen Plänen, die seinem Lande 1719 die Reichsexekution und ihm die Suspension von der Herrschaft (1728) eintrugen. Ihm folgte, zunächst als Regent, sein jüngerer Bruder Christian Ludwig, der 1747 endgültig den Thron bestieg. Dieser hat zunächst versucht, in Gemeinschaft mit dem Strelitzer Herzog eine Auflösung der ständischen Union zu erzielen. Zu den sich daraus ergebenden inneren Streitigkeiten trat ein durch den Tod des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz ausgelöster Erbfolgestreit, den auch eine kaiserliche Hofkommission nicht beilegen konnte. Christian Ludwig schlug daraufhin den Weg des Kompromisses ein und berief im September 1754 einen Konvokationstag nach Rostock, mit dem der schließliche Erbvergleich zustande kam. Diesem folgte ein Vergleich zwischen den mecklenburgischen Herzögen über ihre jeweiligen Kompetenzen in bezug auf die Stände (Einberufung etc.).

Der Erbvergleich ist ein typischer altständischer Herrschaftsvertrag, keine Verfassung im modernen Sinne. Es geht in ihm in erster Linie um Mitspracherechte von Ständen, d.h. privilegierten Rechtsträgern im Lande, die selbst Herrschaftsbefugnisse gegenüber ihren Untertanen ausüben und ihre Privilegien bestätigt sowie die von ihnen zu erbringenden Leistungen für die Landesherrschaft eindeutig festgelegt und beschränkt sehen wollen (§ 74). Daher steht am Anfang des Vergleichs eine allgemeine Rechts- und Freiheitsverbürgung, die alle bis dahin geltenden Privilegien und Rechte der Stände bestätigt (Präambel, Art. 25). Inhaltlich „verglichen“, d.h. vertraglich geregelt, werden das ständische Recht der Steuerbewilligung (Art. 1, 2, 11, 12), die korporative Verfassung der Stände (Art. 4-7, 9), ihre Beteiligung an der Gesetzgebung (Art. 8) sowie der Konfliktaustrag auf gerichtlichem Wege (Art. 21). Daneben stehen Regelungen zum Verhältnis von städtischer Ökonomie und ländlicher Gutswirtschaft (Brauen, Handwerk und Handel), der ländlichen Sozialverfassung (Bauernlegen und Hörigkeit der Hintersassen) zur Sicherung der ökonomischen und sozialen Grundlagen des ständischen Systems (Art. 13, 14, 16, 19, 22) sowie Fragen des Rechts- und Justizwesens (Art. 21), um nur einige zu nennen. Seine Rechtskraft erhält der Vergleich durch die Unterschriften der Herzöge und der Landstände, welche letztere noch eine gesonderte Bestätigungsschrift anfertigten (Art. 25 und die ständische Bestätigung).

Grundlage des mecklenburgischen Ständewesens ist die Dreiteilung des Territoriums in landesherrliches (Domanium), ritterschaftliches und landschaftliches (Städte) Gebiet auf der Basis der Besitzverhältnisse des Jahres 1748 (§ 97). Die Stände repräsentieren auf den Landtagen den ständischen Grund und Boden sowie die daran haftenden Berechtigungen, doch nahmen sie für sich in Anspruch, auch ihre Hintersassen resp. die Einwohner der Städte zu vertreten, während der Landesherr zugleich die Bewohner des Domaniums repräsentieren sollte.

Voraussetzung der ritterlichen Standschaft ist der Besitz eines landtagsfähigen Gutes (Lehen oder Allod) und neben der Ansässigkeit im Lande der Besitz der Rechtsfähigkeit. Bürgerliche können durch Erwerb eines betreffenden Gutes die Standschaft erlangen, während die ständischen Ämter dem eingesessenen und rezipierten Adel (rd. 200 Familien gegenüber rd. 700 landtagsfähigen gegen Ende des 19. Jahrhunderts) vorbehalten blieben. Demgegenüber wurde die Landschaft von 47 landsässigen Städten gebildet, deren drei wichtigste, insbesondere Rostock, als Vorderstädte in der Regel die Vertretung der städtischen Interessen auf den Landtagen wahrnehmen. Die Bestellung der städtischen Ständemitglieder erfolgt durch die Magistrate.

Die Organisation der Landstände beruht auf der sog. Union der Stände von 1523; diese umfaßt eine Union der Provinzen bzw. Kreise (des Schweriner, des wendischen bzw. güstrowschen und stangardischen Kreises; Rostock bildete de facto einen eigenen Kreis), die als Relikte der mittelalterlichen Territonienbildung überdauert hatten. Kern der Union aber ist die Verbindung von Ritter- und Landschaft zu einer gemeinsamen Korporation (§ 138-141). Der Erbvergleich kennt verschiedene Versammlungsformen der Stände: einmal die durch die (Schweriner) Landesherrschaft einberufenen jährlichen Stände-Versammlungen (Gesamt-Landtage) (§ 145-148), daneben die ungebräuchlichen Konvokationstage (Versammlung der Stände eines oder mehrerer Kreise) und die häufigeren Deputationstage (Landräte, Marschälle und ständische Deputierte) (§ 164). Daneben stehen die aus dem freien Selbstversammlungsrecht der Stände entstammenden, durch den Engeren Ausschuß berufenen Konvente (§ 202, Abs. 2). Hierhin gehören die Landkonvente (Engerer Ausschuß, Direktorium und ständische Deputierte), Versammlungen der einzelnen Stände unter sich, oder Kreis- und Amtskonvente (beide Stände gemeinsam oder einzeln) (§ 201, § 208).

Zu den ständischen Institutionen zählen neben den Versammlungen selbst: erstens die Landmarschälle (erblich), einer für jeden Kreis (§ 173), die als Anführer und Sprecher der Stände gegenüber dem Landesherrn auftreten (§ 174), zweitens die Landräte (§ 166-172), die als ständische und herzogliche Amtsträger angesehen werden (§ 167) und zwischen beiden Teilen vermitteln sollen (insgesamt acht; ihre Aufteilung folgte weiterhin der seit 1701 obsoleten Teilung Mecklenburgs in die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Güstrow), drittens der Engere Ausschuß aus neun Mitgliedern, der auf Gesamtlandtagen gewählt wird und zwischen den Landtagen die Stände vertritt und insbesondere die ständischen Kassen (Landkasten) verwaltet (§ 112, 176-190), und viertens ein Landtagsdirektorium aus Landräten, Landmarschällen und gewählten ständischen Deputierten, das die Verhandlungen und Abstimmungen des Plenums leitet und dessen Anträge bearbeitet.

Beschlüsse der Stände kommen durch Mehrheitsentscheid zustande (§ 214, 216), doch kann dies jederzeit durch itio in partes (d.i. getrennte Beratung und Beschlußfassung nach Ständen oder Landesteilen) verhindert werden (§ 142), wie auch einem einzelnen Stand die Möglichkeit offen bleibt, sich bei Verletzung eines seiner besonderen Rechte unter Umständen an die Gerichte zu wenden. Die Verhandlungen zwischen Landesherrschaft und Ständen erfolgen durch die Landmarschälle und herzoglichen Kommissare auf schriftlichem Wege (§ 156-158). Die Ständeversammlungen besitzen im wesentlichen zwei Funktionen: Teilnahme an der Gesetzgebung und Steuerbewilligung. An der Gesetzgebung nehmen sie insoweit teil, als die Vorhaben des Herzogs ihre Berechtigungen berühren (§ 198-199), während legislative Maßnahmen, die sich lediglich auf das Domanium beziehen, nur ihrem Beirat, nicht aber ihrer Mitentscheidung unterworfen sind (§ 195-197). Auf der anderen Seite besitzen sie ein gänzlich freies Steuerbewilligungsrecht, das jedoch - dies war der Kern des Vergleichs - durch die Verpflichtung, zu den Ausgaben des Landesregiments regelmäßig beizutragen, eingeschränkt ist (§ 74, 207, 221 ff.). Da der Herzog jedoch im Prinzip die Kosten seiner Regierung durch Einnahmen aus dem Domanium bestreiten muß, bleibt der Charakter der ständischen Zahlungen als „Hülfe“ und „Beytrag“ erhalten (§75).

Wichtigste „Beihilfe“ zu den Kosten der allgemeinen Landesverwaltung ist eine jährlich zu bewilligende „Kontribution“ (§ 5-100), die ihrem Umfange nach festgeschrieben ist (§ 70). Grundlage ihrer Berechnung auf ritterschaftlichem Besitz wurde der sog. Hufenmodus (§ 6-8). (Die Hufe ist ein von der Güte des Bodens abhängiges Flächenmaß von rund 7-15 Hektar.) Zu ihrer Berechnung mußte der Boden katastermäßig erfaßt (bonitiert) werden. Als steuerpflichtig wurde die Hälfte der ritterschaftlichen Hufen angesehen (§ 7). Dies deshalb, weil adeligen Grund zwar prinzipiell als steuerfrei galt, durch Bauernlegen aber steuerpflichtigen Grund von Bauern in den Besitz der Ritter kam, wobei zum Zeitpunkt des Vergleichs eine steuerrechtliche Unterscheidung nicht mehr möglich war (§ 96). Entsprechend zahlte auch die Landesherrschaft für erworbenen ritterli-chen und bäuerlichen Grund Beitrag zur Kontribution aus ihrem Domanium (§ 97, vgl. § 218, 228). In den Städten wurde diese Steuer nach Grundbesitz und Gewerbe eingezogen. Zusätzlich zu dieser ordentlichen Steuer verpflichten sich die Stände zu Beiträgen für Reichs- und Kreissteuern (§ 101-114) sowie zur Ausstattung der Prinzessinnen des herzoglichen Hauses (§ 115-119). Daneben können Beiträge zu außerordentlichen „Necessanien“ erfolgen (§ 221-231), die nach dem Terzmodus (je ein Drittel der Anlagen entfielen auf ritterlichen, städtischen und domanialen Besitz) umgelegt wurden (§ 228, vgl. 108, 117). Die Ausführlichkeit, mit der dies alles geregelt wird, zeigt die Bedeutung, die man der Fixierung der finanziellen Lasten in früherer Zeit beimaß.

Dem Charakter des Vergleichs als einer Fixierung der Rechtspositionen zweier sich gleichberechtigt gegenüberstehender Rechtsträger, Landesherren und Stände als Korporation, entsprechend, wurde ihm, wie in anderen ständestaatlichen Arrangements im älteren Deutschen Reich auch, der Schutz durch die Reichsgerichte (das Reichskammergericht und den Reichshofrat) gewährt. Das Ende des alten Reichs 1806 ließ diesen Schutz allerdings wegfallen. Als Ersatz hierfür richtete man 1817 eine gerichtliche Kompromißinstanz ein. Der 1848 vom Schweriner Herzog unternommene Versuch, sein Großherzogtum in eine konstitutionelle Monarchie umzuwandeln, führte zwar am 10. Oktober 1849 zur Beseitigung des alten Ständesystems. Jedoch wurde es auf Druck der Ritterschaft wiederhergestellt (15. April 1850). Spätere Versuche der Landesherrn, Reformen des ständischen Systems mit den Ständen zu vereinbaren (zwischen 1872 und 1874 sowie zwischen 1909 und 1913), scheiterten ebenfalls.


Andere Beschreibung der Mecklenburger Verfassungsbestimmungen
aus „Meyers Conversations-Lexikon 2. Auflage 1867“

Die Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz haben gemeinschaftliche Landstände. Das Grundgesetz ist der Erbvergleich vom 18. April 1755, vereinbart zwischen dem Herzog von Mecklenburg-Schwerin und seinen Ständen, dem Mecklenburg-Strelitz durch die Agnitionsakte vom 30. September 1755 beitrat. In Mecklenburg-Schwerin ist gegenwärtig Regent Großherzog Friedrich Franz (geboren den 28. Febr. 1823, regiert seit dem 7. März 1842), in Mecklenburg-Strelitz Großherzog Friedrlich Wilhelm (geboren den 17. Okt. 1819, regiert seit dem 6. Sept. 1860). In beiden Ländern ist der Thron nach dem Recht der Erstgeburt und nach der Linealerbfolge im Mannsstamm erblich. Beide großherzogliche Häuser sind durch Hausverträge von 1701 und 1755 verbunden, und es succedirt im Falle des Aussterbens der einen Linie die andere. Beim erlöschen beider Häuser geht die Thronfolge auf Preußen über. Nach dem Hausgesetz vom 23. Juni 1821 tritt die Volljährigkeit des Großherzogs in beiden  Ländern mit vollendetem 19. Lebensjahr ein. Beide Großherzöge bekennen sich zur evangelisch-lutherischen Kirche. Obwohl alle Staatsbürger auf gleiche Weise zugänglich sind, so haben doch die Rittergutsbesitzer, adelige und bürgerliche, große Real- und Personalvorrechte. Sie besitzen das Landstandsrecht, die Schrift- oder Kanzleisässigkeit, die Patrimonialjurisdiktion und Polizeigewalt über die Bauern und Hintersassen ihrer Güter, die Jagdgerechtigkeit, die Brau- und Brennereigerechtigkeit, ohne davon irgend eine Abgabe errichten zu müssen, die Krug- und Mühlengerechtigkeit und in der Regel auch das Patronatsrecht. Leibeigenschaft und Gutsunterthänigkeit sind 1824 aufgehoben worden. Die Landstände beider Großherzogthümer bilden seit 1523 eine gemeinschaftliche Körperschaft, die „Landesunion“, und bestehen aus der Ritterschaft, zu der alle Besitzer ritterschaftlicher Hauptgüter in dem mecklenburgischen, wendischen und stargardischen Kreise gehören, und der Landschaft, welche 47 landtagsfähige Städte umfaßt. Von der Ritterschaft werden zugleich die Bauern und Hintersassen, von der Landschaft die Bürger der Städte repräsentirt. Beide Stände, Ritter und Landschaft, gliedern sich nach den Kreisen, dem mecklenburgischen, wendischen und stargardischen. Außerhalb der ständischen Verfassung stehen das Fürstenthum Ratzeburg und die Städte Wismar und Neustrelitz, welche daher nicht auf dem Landtag vertreten sind. Die Zahl der Gutsherren, welche gegenwärtig Mitglieder der Ritterschaft sind, beträgt im mecklenburgischen und wendischen Kreise 616, worunter 314 bürgerliche, im stargardischen Kreise 62, worunter 24 bürgerliche. An der Spitze der Ritterschaft stehen 3 Erblandmarschälle, je einer für jeden Kreis. Zur Landschaft gehören die Stadt Rostock, 20 Städte im mecklenburgischen, 19 im wendischen und 7 im stargardischen Kreise. Die Ausübung des landstandschaftlichen Rechts geschieht hier durch die Magistrate, und zwar durch die Bürgermeister. Jeder Gutsbesitzer hat dasselbe Stimmrecht wie jede einzelne Stadt, dorch kann die Landscahft sich zu besonderer Beschlußfassung vereinigen (ito in partes). Das Direktorium der Landschaft führen die 3 Vorderstädte, Parchim für den mecklenburgischen, Güstrow für den wendischen und Neubrandenburg für den stargardischen Kreis. Die Landtage werden alljährlich im Spätherbst abwechselnd in den Städten Sternberg und Malchin auf Berufung von Seiten der beiderseitigen Landesherrn abgehalten. Außerhalb des Landtags vertritt ein einberer Ausschuß von 9 Mitgliedern als ein die gesammte Ritter- und Landschaft vorstellendes, permanentes Kollegium, welches zu Rostock seinen Sitz hat, die gesammten Stände, so lange diese nicht versammlet sind. Als repräsentatives Kollegium für ritterschaftliche Angelegenheiten besteht noch ein engerer Ausschuß der Ritterschaft, ebenfalls zu Rostock. Von den Landtagen verschieden sind die sogenannten Konvokations- und Deputationstage; jene sind Versammlungen der Stände eines oder des anderen der beiden Staten zur Verhandlung wichtiger und eiliger Sonderangelegenheiten; diese werden nur von ständischen Deputirten, die entweder von Eine, oder von beiden Landesherren berufen werden, gebildet. Außerdem werden noch Konvente abgehalten als nicht von der Landesherrschaft ausgeschriebene ständische Zusammenkünfte, und zwar allgemeine Landeskonvente und besondere Kreis- und Amtskonvente. Was die Gemeindeverfassung betrifft, so gibt es nur in den Städten politische Gemeinden; Landgemeinden bestehen bloß in kirchlicher Beziehung. In den Ständen ist die Gemeindeverfassung sehr verschieden; namentlich genießen Rostock und Wismar bedeutende Vorrechte. In den  Landstädten stehen 1-2 Bürgermeister und das Rathskollegium (Magistrat) an der Spitze der Verwaltung. In Vertretung der Bürgerschaft wird ein Bürgerausschuß durch Wahl aus der Mitte der Bürger gebildet. Die herrschende Staatskirche ist in ganz Mecklenburg die evangelisch-lutherische; die reformirte und katholische Konfession werden in kirchlicher Beziehung nur tolerirt. Die obersten kirchlichen Behörden sind der Oberkirchenrath für Mecklenburg-Schwerin und das Konsistorium für Mecklenburg-Strelitz.
Die oberste Leitung der verschiedenen Zweige der Staatsverwaltung haben im Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin 4 Ministerien (für die auswärtigen Angelegenheiten, für das Innere, für die Justiz und für die Finanzen), die nach der Verordnung vom 10. Okt. 1849 errichtet worden sind und deren Vorstände das Staatsministerium bilden. Die Militärverwaltung gehört in das Ressort des Militärdepartements, welches unmittelbar unter dem Großherzog steht. Im Großherzogthum Mecklenburg-Strelitz ist das Statsministerium zu Neustrelitz die höchste Behörde, repräsentirt durch einen Staatsminister. Der Geschäftskreis der Ministerien wurde in Mecklenburg-Schwerin durch die landesherrliche Verordnung vom 4. April 1853 näher bestimmt.
In der Rechtspflege mangelt es noch an einer einheitlichen Gesetzgebung; in Geltung sind das gemeine deutsche Recht, das lübische Recht, viele Stadtstatute und Einzelverordnungen. Das Verfahren in Civilsachen wurde 1855 und 1861, das bei den zur Kompetenz des Kriminalkollegiums zu Bützenow gehörenden 1856 (mit öffentlicher und mündlicher Schlußverhandlung) neu geregelt. Beide Großherzogthümer haben einen gemeinschaftlichen obersten Gerichtshof, nämlich das Oberappellationsgericht zu Rostock, welches in letzter Instanz in allen Civil- und Kriminalsachen entscheidet. Unter demselben stehen als Obergerichte die Justizkanzleien, 3 für Mecklenburg-Schwerin (zu Schwerin, Güstrow und Rostock) und eine für Mecklenburg-Strelitz (zu Neustrelitz), sowie die beiden städtischen Obergerichte zu Rostock und Wismar. Niedergerichte (erste Instanzen) sind; die Amtsgerichte in den Domänen, die aber nur im Herzogtum Strelitz von den Domanialämtern getrennt, im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin dagegen mit diesen vereinigt sind, das Gericht in Ludwigslust und das strelitzische Kabinetsamtsgericht; im Fürstenthum Ratzeburg das Justizamt der Landvogtei zu Schönberg; in den ritterschaftlichen und übrigen Patrimonialgütern die Patrimonialgerichte; in den Landstädten, und zwar in Grabow, Neubrandenburg und Friedland die vereinigten Stadt- und Magistratsgerichte, in den übrigen Städten die großherzoglichen Stadtgerichte; in der Stadt Rostock und deren Landbesitzungen die Kriminalgerichte, das Gericht, die Kämmerei das Gewett (für Gewerbe- und Schifffahrssachen ect.), das Waisengericht, in der Stadt Wismar das Stadtgericht, das Waisengericht, das Accisegericht, das Gewett, das Hebungsgericht (für die Güter der geistlichen Hebungen).
Das mecklenburgische Wappen enthält 6 Felder und ein Mittelschild; die ersteren zeigen die Wappenzeichen von Mecklenburg (schwarzer, gekrönter Büffelskopf mit silbernen Hörnern und silbernem Nasenringe im goldenen Grunde), Rostock, Fürstenthum Schwerin, Ratzeburg, Stargard, Wenden; das Mittelschild (zur einen Hälfte roth, zur anderen golden) zeigt das Zeichen der Grafschaft Schwerin. Das Wappen wird von einem Büffel und einem Greif gehalten und von der Königskrone bedeckt. Die Landesfarbe ist roth, gelb und blau; die Landesflagge blau, weiß und roth, wagerecht getheilt.
Die Residenzen des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin sind Schwerin und Ludwigslust, neben denen es noch 6 herzogliche Schlösser gibt; der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz residirt in Neustrelitz und besitzt außerdem noch 5 Schlösser.


Quellen: Meyers Conversations-Lexikon 2. Auflage  1867
Reich und Länder, Texte zur deutschen Verfassungsgeschichte, dtv Wissenschaft  (dtv 4443)
© 14. Oktober  2001
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