Hinweise zur Währungsreform 1948

Die Währungsreform von 1948 war eine klassische Währungsreform.

Während Löhne, Gehälter und Preise 1:1 auf die neue Währung "Deutsche Mark" umgestellt wurden, wurde das umlaufende Bargeld, die Bankkonten und das sonstige Guthaben in unterschiedlicher Weise abgewertet, in der Regel 10 Reichsmark für 1 Deutsche Mark, so daß der Bargeldumlauf erheblich reduziert wurde und das überschüssige Geld zum vorhandenen Warenkorb wieder in ein vernünftiges Gleichgewicht gebracht wurde.

Durch die Währungspolitik während der Zeit des Nationalsozialismus war eine viel zu große Menge an Bargeld zum vorhandenen Warenkorb vorhanden, was zu einer Inflation geführt hätte, wenn nicht eine drastische staatliche Preispolitik und Rationierungen diese praktisch verhindert hätten. Folge dieser Politik war der "Schwarzmarkt".

 

Ganz anders dagegen war die sog. Währungsreform von 1923/24:

Durch die Handlungen der Reichsregierungen seit 1920 war die Geldmenge erheblich gestiegen, was zu einem Verfall des Geldwertes gegenüber dem Ausland wie auch im Inland geführt hat. Folge war seit Ende 1922 eine galoppierende Inflation mit täglichen Inflationsraten von zuletzt ca. 10 %.

Während bis 1914 die Mark durch den Goldstandard, der durch das Reichsgesetz betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1971 (RGBl. S. 404) , wiederholt durch das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 (RGBl. S. 233) und 1. Juni 1909 (RGBl. S. 507) bestimmt war (1 Pfund (=500 g) Gold wurde in 139 1/2 Münzen geprägt; der zehnte Teil davon wurde gesetzlich als "Mark" bezeichnet, so daß 0.3584 g reinen Goldes 1 Mark ausmachte; 1/1279 Teil eines Kilogramms feinen Goldes); diese Bestimmung wurde durch das Gesetz über die Änderung des Münzgesetzes vom 4. August 1914 (RGBl. S. 326) aufgehoben (Aufhebung der Goldbindung der Mark).

Die Währungsreform von 1923 war jedoch keine Währungsreform wie die von 1948, sondern noch viel krasser, denn die Papiermark, wie sie seit 1914 ohne Goldbindung bestand, wurde quasi ohne Entschädigung ersetzt durch die Rentenmark; das Guthaben in Papiermark wurde umgerechnet im Verhältnis 1 Rentenmark für 1 Billion (= 1.000.000.000.000) Reichs-(Papier-)mark und damit prakisch vernichtet.

Die Währungsreform von 1923/24 wurde in zwei Stufen durchgefügt:

1. Bekämpfung der Inflation durch Stärkung des Vertrauens der Bevölkerung in eine neue Währung:
Mit der Verordnung über die Errichtung der Deutschen Rentenbank vom 15. Oktober 1923 (RGBl. I. S. 963) wurde eine Deutsche Rentenbank errichtet, die Rentenbankscheine ausgab (dagegen hat die Deutsche Reichsbank Reichsbankscheine, als Papiermark, ausgegeben, was mit dem Beginn der Ausgabe von Rentenbankscheinen verboten wurde). Das Kapital der Rentenbank war zur Hälfte von der Landwirtschaft, und zur anderen Hälfte von Industrie, Gewerbe und Handel einschließlich der Banken gezeichnet, die das Kapital von 3200 Millionen Rentenmark in , in Goldmark ausgedrückte zwangsweise eingetragenen Grundschulden auf landwirtschaftliche Grundstücke und zwangsweise eingetragenen Schuldverschreibungen von Grundstücken in Industrie, Gewerbe und Handel aufgebracht.

Die neue Währung "Goldmark" war wieder, wie bis 1914 die Mark, an Gold gebunden (1923: 1 Goldmark war wieder wie bis 1914 auch 0.3584 g Feingold); § 6 Abs. 2 der Verordnung vom 15. Oktober 1923 (RGBl. I. S. 963); diese Goldmark hat nichts mit der Golddiskontbank zu tun, die durch Gesetz über die Deutsche Golddiskontbank vom 19. März 1924 (RGBl. II. S. 71) errichtet wurde und die ermächtigt war, auf Pfund Sterling lautende Banknoten auszugeben.

Die neue Währung "Rentenmark" war durch die Deutsche Rentenbank an Grund und Boden gebunden und durch diese gewährleistet und war als Hilfszahlungsmittel vorgesehen; § 14 der Verordnung vom 15. Oktober 1923 (RGBl. I. S. 963), die Verordnung vom 23. November 1923 (Umstellung des Postscheckverkehrs, RGBl. I. S. 1132), die Verordnung vom 16. November 1923 (Ausdehnung der Devisengesetzgebung auf Rentenmark, Goldanleihe, wertbeständiges Notgeld, RGBl. I. S. 1099), die Verordnung vom 8. November 1923 (Ausprägung von Münzen im Nennbetrage von 1, 2, 5, 10 und 50 Rentenpfennigen, RGBl. I. S. 1086) samt Bekanntmachung vom 13. November 1923 (RGBl. I. S. 1091).

Die alte Währung "Mark" oder "Reichsmark" war weiterhin, auch nach der Errichtung der Deutschen Rentenbank, geltendes gesetzliches Zahlungsmittel; Verordnung vom 7. November 1923 (Zeitweise Verweigerung von Leistungen auf Grund eines außerdeutschen Kurses der Reichsmark, RGBl. I. S. 1082), Verordnung vom 7. November 1923 (Verpflichtung zur Annahme von Reichsmark bei Inlandsgeschäften, RGBl. I. S. 1081), Verordnung vom 9. Januar 1924 (Verkehr mit Zahlungsmitteln unter 50 Milliarden Mark, RGBl. I. S. 27), Gesetz vom 30. August 1924 (Reichsmünzen aus Nickel, Aluminium, Eisen und Zink gelten nicht mehr als gesetzliche Zahlungsmittel, RGBl. II. S. 256). Trotzdem verschwand die Reichsmark bis Anfang 1924 fast vollständig aus dem Zahlungsverkehr.

2. Umstellung der Rentenmark auf die Reichsmark:
Durch das Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbankscheinen vom 30. August 1924 (RGBl. II. S. 252) wurde der Umlauf der Rentenbankscheine (=Rentenmark) liquidiert. Die Reichsbank wurde verpflichtet, die Rentenbankscheine 1:1 gegen Reichsbankscheine (=Reichsmark) umzutauschen.
Durch das Münzgesetz vom 30. August 1924 (RGBl. II. S. 254) wurde im Deutschen Reich die Goldwährung als "alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel" (§ 5) wieder gesetzlich festgesetzt. Dieses Zahlungsmittel wurde zwar gesetzlich als Reichsmark bezeichnet, jedoch umgangssprachlich weiterhin als "Goldmark" bezeichnet. Das Verhältnis 1 Mark = 0.3584 g Feingold wurde beibehalten.
Durch das Bankgesetz vom 30. August 1924 (RGBl. II. S. 235) wurde das ausschließliche Recht der Reichsbank zur Ausgabe von Banknoten, die auf Reichsmark lauten, festgesetzt. Für die Reichsmark der Reichsbank jedoch war die Garantie der Einlösung der Reichsmarkscheine gegen Gold nur eingeschränkt gewährt worden (§ 31).

Die "Währungsreform 1923/24" ist im Reichsgesetzblatt nur sehr uneinheitlich zu finden, ganz im Gegensatz zur Währungsreform von 1948.

Seit 1924 bestand deshalb zwar wieder einheitlich die Reichsmark als alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel, doch blieben Rentenmarkscheine weiterhin um Umlauf und auch die als Goldmark bezeichneten Goldmünzen waren weiterhin geltendes Zahlungsmittel. Erst mit dem Währungsgesetz vom 20. Juni 1948 wurden diese drei Währungseinheiten zugunsten der Deutschen Mark abgelöst.

 


Quellen: Gesamtverzeichnis zum Bundes- und Reichsgesetzblatt 1867 bis 1929, Reichsministerium des Innern, Berlin 1930
Dr. Dehlinger, Systematische Übersicht über 76 Jahrgänge Reichsgesetzblatt (1867 - 1942), Kohlhammer Verlag 1943

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