Befehl Nr. 183 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland
betreffend die Erweiterung der Deutschen Wirtschaftskommission

vom 27. November 1948

Die demokratische Entwicklung in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands macht es erforderlich, daß die Verbindungen der deutschen Zonenverwaltungsorgane mit der Bevölkerung verbessert werden. Dies soll dazu beitragen, daß sich die Arbeit der Verwaltungsorgane verbessert und daß sich die Aktivität der Bevölkerung zum Zweck der Verwirklichung der Wirtschaftspläne für die Zone und der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung weiter verstärkt.

Hiervon ausgehend und unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Deutschen Wirtschaftskommission vom 24. Oktober 1948 sowie der Vorschläge der demokratischen Parteien und Organisationen betreffs der Reorganisierung der Deutschen Wirtschaftskommission durch die Schaffung einer umfassenderen Vertretung des Volkes in ihr befehle ich:

1. Die Mitgliederzahl der Deutschen Wirtschaftskommission ist von 36 auf 101 Mitglieder zu erhöhen, mit der Maßgabe, daß die Mehrzahl der Mitglieder gewählte Vertreter der Bevölkerung der Länder sowie Vertreter der demokratischen Parteien und der sonstigen Organisationen der Bevölkerung der sowjetischen Besatzungszone umfaßt.

2. Dementsprechend ist die Mitgliederzahl der Deutschen Wirtschaftskommission folgendermaßen festzusetzen:
a) 48 Vertreter der Bevölkerung der Länder der sowjetischen Besatzungszone, die von den Landtagen nach der Norm zu wählen sind: Ein Vertreter für je 360000 Einwohner, und zwar:
    15 Vertreter der Bevölkerung von Sachsen,
    12 Vertreter der Bevölkerung von Sachsen-Anhalt,
    8 Vertreter der Bevölkerung von Thüringen,
    7 Vertreter der Bevölkerung von Brandenburg,
    6 Vertreter der Bevölkerung von Mecklenburg.
b) 15 Vertreter der deutschen demokratischen Parteien, und zwar je drei Vertreter jeder Partei: für die Sozialistische Einheitspartei drei, für die Christlich-Demokratische Union drei, für die Liberal-Demokratische Partei drei, für die Demokratische Bauernpartei drei und für die National-Demokratische Partei drei.
c) 10 Vertreter der demokratischen Massenorganisationen der Werktätigen, und zwar: für den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund drei, für die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe zwei, für die Freie Deutsche Jugend einen, für den Demokratischen Frauenbund einen, für den Kulturbund einen, für die Genossenschaften zwei.
d) Der Vorsitzende, die stellvertretenden Vorsitzenden und die Mitglieder des Sekretariats der Deutschen Wirtschaftskommission, der Vorsitzende der Zentralen Kontrollkommission, die Leiter der entsprechenden deutschen Hauptverwaltungen sowie der Vorsitzende des Ausschusses zum Schutze des Volksvermögens bei der Deutschen Wirtschaftskommission.

3. Die neue Zusammensetzung der Deutschen Wirtschaftskommission ist drei Wochen nach Erlaß dieses Befehls abzuschließen.

4. Dem Plenum der Deutschen Wirtschaftskommission ist das Recht zu gewähren, nötigenfalls neue Mitglieder zu kooptieren.

5. Die Frage des Verhältnisses der Deutschen Wirtschaftskommission und der Groß-Berliner Verwaltungsorgane ist der Deutschen Wirtschaftskommission zur Prüfung zu unterbreiten.

    Berlin, den 27. November 1948

Der Oberste Chef der Sowjetischen Militär-Administration
und Oberkommandierende der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland
Marschall der Sowjetunion
W. Sokolowski

Der Chef des Stabes der Sowjetischen Militär-Administration in Deutschland
Generalleutnant
G. Lukjantschenko


Quellen: Ingo Münch, Dokumente des geteilten Deutschland, KRÖNER 391
© 17. Januar 2005
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