vom 24. September 1935.
faktisch geändert durch
Erlaß über die Zusammenfassung der Zuständigkeiten des Reichs und Preußens in
Kirchenangelegenheiten vom 16. Juli 1935 (RGBl. I. S. 1029)
aufgehoben durch Gesetz Nr. 62 des Alliierten Kontrollrats für Deutschland vom 20. März 1947 (ABl. S. 265)
Nach dem Willen des evangelischen Kirchenvolkes ist der Zusammenschluß der Landeskirchen zu einer Deutschen Evangelischen Kirche vollzogen und in einer Verfassung verbrieft.
Mit tiefster Besorgnis hat die Reichsregierung jedoch beobachten müssen, wie später durch den Kampf kirchlicher Gruppen untereinander und gegeneinander allgemach ein Zustand hereingebrochen ist, der die Einigkeit des Kirchenvolkes zerreißt, die Glaubens- und Gewissensfreiheit des Einzelnen beeinträchtigt, die Volksgemeinschaft schädigt und den Bestand der evangelischen Kirche selbst schwersten Gefahren aussetzt.
Von dem Willen durchdrungen, einer in sich geordneten Kirche möglichst bald die Regelung ihrer Angelegenheiten selbst überlassen zu können, hat die Reichsregierung ihrer Pflicht als Treuhänder gemäß und in der Erkenntnis, daß diese Aufgabe keiner der kämpfenden Gruppen überlassen werden kann,
zur Sicherung des Bestandes der Deutschen Evangelischen Kirche
und zur Herbeiführung einer Ordnung, die der Kirche ermöglicht, in voller Freiheit und Ruhe ihre Glaubens- und Bekenntnisfragen selbst zu regeln,
das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
Einziger Paragraph. Der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten wird zur Wiederherstellung geordneter Zustände in der Deutschen Evangelischen Kirche und in den evangelischen Landeskirchen ermächtigt, Verordnungen mit rechtsverbindlicher Kraft zu erlassen. Die Verordnungen werden im Reichsgesetzblatt verkündet.
siehe hierzu die Durchführungsverordnungen vom 3. Oktober 1935 (RGBl. I. S. 1221, Errichtung eines Reichskirchenausschusses), vom 5. November 1935 (RGBl. I. S. 1283, geändert am 15. Januar 1936 (RGBl. I. 15), betr. Hessen-Nassau), vom 21. November 1935 (RGBl. I. S. 1350, betr. Sachsen), vom 29. November 1935 (RGBl. I. S. 1369, geändert am 30. April 1936 (RGBl. I. S. 440), betr. Kurhessen-Waldeck). vom 2. Dezember 1935 (RGBl. I. S. 1370, Eingriff in die Landeskirchenverfassungen, mit Bekanntmachung vom 20. Dezember 1935 (RGBl. I. S. 1522)), vom 26. Februar 1936 (RGBl. I. S. 129, betr. Braunschweig), vom 26. Februar 1936 (RGBl. I. S. 130, geändert am 30. April 1936 (RGBl. I. S. 440), betr. Schleswig-Holstein), vom 28. Februar 1936 (RGBl. I. S. 130, betr. Hannover), vom 13. März 1936 (RGBl. I. S. 176, betr. Pfalz), vom 30. April 1936 (RGBl. I. S. 440, betr. Kurhessen und Schleswig-Holstein), vom 14. Oktober 1936 (RGBl. I. S. 884, Unterwerfung von Kirchenbeschlüssen unter staatliche Zustimmung; dazu auch die Bekanntmachung vom 26. November 1936 (RGBl. I. S. 998)), vom 20. März 1937 (RGBl. I. S. 333, Übertragung von kirchlichen Befugnissen, Eingriff in die Kirchenverfassung, aufgehoben am 10. Dezember 1937 (RGBl. I. S. 1346)), vom 10. Juni 1937 (RGBl. I. S. 651, betr. kirchl. Finanzabteilung), vom 25. Juni 1937 (RGBl. I. S. 697, betr. kirchl. Finanzabteilung), vom 25. Juni 1937 (RGBl. I. S. 698, betr. Kirchenwahlen), vom 10. Dezember 1937 (RGBl. I. S. 1346, vorl. Leitung) und vom 3. Juni 1938 (RGBl. I. S. 618, betr. Vertretung der Leitung).
siehe auch den Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Einberufung einer verfassunggebenden Generalsynode der Evangelischen Kirche vom 15. Februar 1937 (RGBl. I. S. 203).
in Kraft getreten am 29. September 1935.
Berlin, den 24. September 1935.
Der Führer und Reichskanzler
Adolf Hitler
Der Reichsminister für die kirchlichen
Angelegenheiten
Kerrl
Mit diesem Gesetz wurde die
Deutsche Evangelische Kirche faktisch unter staatliche Zwangsverwaltung
genommen, die bis 1945 angedauert hat.