Manifest zum 20. Jahrestag der Befreiung

vom 5. Mai 1965

Vor 20 Jahren endete der grausamste und blutigste Krieg der Weltgeschichte, angestiftet von den deutschen Imperialisten.

Wäre es nach den Hitler-Generalen, nach den braunen Politikern oder deren Nachfolgern gegangen, die heute in Westdeutschland in Politik, Wirtschaft, Armee und Kultur wieder das entscheidende Wort führen, der Krieg wäre bis zur Ausrottung des deutscher Volkes weitergeführt worden.

Hunderte Bombenangriffe, wie die auf Dresden oder Hamburg, hätten das Verwüstungswerk in Deutschland fortgesetzt. Dutzende Millionen Deutscher wären weiter sinnlos zugrunde gegangen.

Atombomben wären auf Deutschland niedergegangen, wie auf Hiroshima und Nagasaki. Und der Wunsch Hitlers und seiner Bande, die deutsche Nation solle die Vernichtung Hitler-Deutschlands nicht überleben, wäre Wirklichkeit geworden.

Zum Glück für die Menschheit und ganz besonders zum Glück des deutschen Volkes wurde die Hitler-Armee durch die Völker der Anti-Hitler-Koalition und deren siegreiche Armeen geschlagen. Zum Glück auch für das deutsche Volk beendeten die Truppen der Sowjetunion durch die Eroberung Berlins diesen grausamsten aller Kriege. Die bedingungslose Kapitulation des Oberkommandos der Hitler-Wehrmacht besiegelte am 8. Mai 1945 die Niederlage des deutschen Imperialismus im zweiten Weltkrieg.

Es muß von allen Deutschen anerkannt werden: In diesem von dem Hitler-Regime der deutschen Großbankiers, Großkapitalisten und Großgrundbesitzer und Generale entfesselten Krieg haben die Völker der Sowjetunion die größten Opfer gebracht. Sie haben zugleich bei der Vernichtung Hitler-Deutschlands und der Befreiung auch des deutschen Volkes von der braunen Fest die entscheidenden Taten vollbracht.

Am 20. Jahrestag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus danken wir den Soldaten und Widerstandskämpfern all der Nationen, die so große Opfer im Kampf gegen Hitler-Deutschland gebracht haben.

Verblendet von chauvinistischen Weltmachtillusionen, vergiftet und verseucht durch die braune Propaganda oder gezwungen durch den grausamen Terror der faschistischen Barbarei marschierte das deutsche Volk auf Befehl seiner imperialistischen Verderber in Krieg und Unglück. Es mußte einen hohen Tribut an Blut und Gut dafür zahlen, daß es die Machtergreifung Hitlers nicht selbst verhinderte, daß es nicht selbst den Krieg unmöglich gemacht oder zumindest rechtzeitig die Waffen gegen die Hitler-Barbarei gekehrt hatte.

Was wäre dem deutschen Volk erspart geblieben, wenn es aus eigener Kraft das Hitler-Regime gestürzt und vernichtet hätte !

Doch darf nie vergessen werden: Viele Hunderttausende Deutsche, unter ihnen an erster Stelle die deutschen Kommunisten, aber auch viele Sozialdemokraten und Bürger aus allen Schichten des Volkes, auch Soldaten der Hitler-Armee, die den verbrecherischen Charakter des Hitler-Krieges der deutschen Imperialisten erkannt hatten, kämpften heldenmütig und unter großen Opfern gegen die Verderber unseres Volkes. Aber sie mußten gegen den übermächtigen Strom der chauvinistischen Verseuchung und, des unbarmherzigen Terrors schwimmen. So gelang es ihnen nicht, trotz ihres Heldenmuts und der Opfer, die sie brachten, die Massen aufzurütteln - und sie zum Sturm auf das Hitler-Regime zu organisieren.

Niemals darf unser Volk die Helden des deutschen Widerstandes vergessen. Sie haben die Ehre der deutschen Nation gerettet, Sie setzten ihr Leben ein, um durch die Beendigung des Krieges das Leben von Millionen Menschen zu schonen.

Die Hauptlehren für alle Deutschen

Heute, 20 Jahre nach Beendigung dieses Krieges der deutschen Imperialisten, die sich Hitlers und seiner Spießgesellen bedienten, geziemt es der ganzen deutschen Nation, Bestandsaufnahme vorzunehmen, Es gilt, alle Schlußfolgerungen aus dieser. furchtbaren Vergangenheit zu ziehen. Die Gräber deutscher Soldaten in mehr als 50 Ländern sind stumme, aber schmerzliche und mahnende Zeugen für die Untaten der deutschen Militaristen, In ihrem traditionellen Größenwahn glaubten sie, die Welt erobern, um sie ausbeuten und ganze Völker ausrotten zu können.

Das ist die Hauptlehre, die das deutsche Volk und die Völker der Anti-Hitler-Koalition aus dem zweiten Weltkrieg mit seinen Schrecken und seinem Grauen ziehen müssen:

Nie darf es sich wiederholen, daß von Deutschland ein Krieg ausgeht. Für alle Zeiten muß in Deutschland, im Herzen Europas, mit dem Streben nach Eroberung anderer Länder, nach Herrschaft über andere Völker, mit Völkerhaß und Aggression und Chauvinismus Schluß gemacht werden.

Deutschland darf nie mehr den Frieden der Welt bedrohen. Das deutsche Volk muß alle barbarischen imperialistischen Traditionen ausrotten, damit Talent und Fähigkeiten unserer großen Nation in Gänze mit friedlicher Arbeit, mit sozialem Fortschritt, mit großen Werken der Kultur, mit Freundschaft zu allen friedliebenden Völkern verschmelzen. Die großen humanistischen Traditionen Deutschlands müssen endlich und ein für allemal siegen und das Antlitz der ganzen Nation prägen.

Wer diese Lehren aus dem zweiten Weltkrieg nicht anerkennt, der versündigt sich an der deutschen Nation und den anderen Völkern.

Krieg oder Frieden

- unter den heutigen Bedingungen - bedeutet das:
Physische Vernichtung von Millionen Deutschen oder eine friedliche und glückliche Zukunft der Deutschen Nation! So ist die Frage vor jedem Deutschen unerbittlich gestellt.

Bilanz zweier Jahrzehnte

In diesem Geist muß die Bilanz der 20 Jahre gezogen werden. Nichts darf verschleiert, nichts beschönigt, der ganzen Wirklichkeit muß fest ins Auge gesehen werden.

Anderenfalls droht der deutschen Nation eine ungeheure neue Katastrophe. Und sie hätte keine Zukunft mehr.

Wäre nach 1945 die Bilanz auch in Westdeutschland und Westberlin gezogen worden, wären auch Westdeutschland und Westberlin von Imperialisten gereinigt worden, hätte man auch in Westdeutschland und Westberlin den Faschismus mit den Wurzeln gerodet, dann stünde heute ein einiges friedliches, demokratisches und fortschrittliches Deutschland da, seinen Bürgern zur Freude und ein sicherer Hort des Friedens in Europa.

Zum Unglück für das deutsche Volk und zur großen Gefahr für die anderen Völker steht diese Abrechnung mit dem deutschen Faschismus und Imperialismus in Westdeutschland und Westberlin bis heute noch aus.

Statt den Deutschen zu helfen, sich von der schrecklichen Vergangenheit zu reinigen und ein neues Blatt in der Geschichte Deutschlands aufzuschlagen - so wie das in Potsdam vereinbart war und auf dem Gebiet der heutigen Deutschen Demokratischen Republik durch die Sowjetunion auch geschah - haben die Westmächte in Westdeutschland und Westberlin den deutschen Imperialisten nach 1945 geholfen, ihre Macht systematisch zu restaurieren. Sie haben ihnen geholfen, aus Westdeutschland einen gefährlichen militaristischen Staat zu machen, einen wahren Nachfolgestaat der Hitler-Macht. Sie haben sich, wie nach 1918, mit den alten Verderbern Deutschlands, mit den Großindustriellen und Bankiers und Großgrundbesitzern verbündet.

Die Imperialisten der Westmächte haben die deutsche Nation gespalten, um 50 Millionen Westdeutsche und zweieinhalb Millionen Westberliner als Landsknechte für ihre imperialistischen Ziele zu mißbrauchen. Sie taten das im Komplott mit den alten Verderbern Deutschlands, den Großindustriellen, Bankiers und Großgrundbesitzern.

Die deutschen Imperialisten konnten es sich zunutze machen, daß sich die Westmächte, vor allem die USA-Imperialisten, von der gemeinsam festgelegten Politik der Anti-Hitler-Koalition losgesagt hatten.

Es hat dazu geführt, daß die Bildung eines einheitlichen, demokratischen, friedlichen Deutschland, das die ganze Nation umfaßt, verhindert wurde.

Und die westdeutschen Imperialisten unternehmen es heute, mit ihrem völkerrechtswidrigen, ja verbrecherischen Griff nach Westberlin, die Westmächte vor den Karren ihrer abenteuerlichen Revanchepolitik zu spannen und in einen ernsten Konflikt zu stürzen. Denn ganz Berlin gehört seit seiner Eroberung und Befreiung durch die Armeen der Sowjetunion und auf Grund der Vereinbarungen der vier Mächte zur Sowjetischen Besatzungszone, so daß heute auch Westberlin rechtens auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik liegt. Und die Bereitschaft der Deutschen Demokratischen Republik, Westberlin als besonderes Territorium anzusehen und seine eigenständige Entwicklung zu respektieren, ist eine große Konzession. Der Versuch, diese Konzessionsbereitschaft zur Angliederung Westberlins an den westdeutschen Staat zu mißbrauchen, muß ernste Folgen für alle diejenigen haben, die sich an diesem Rechtsbruch und dieser Störung des Friedens beteiligen.

Wohin hat es denn geführt, daß die Imperialisten der Westmächte gegen Geist und Wortlaut der Vereinbarungen verstießen, die sie in der Anti-Hitler-Koalition eingegangen waren und die dem Verlangen ihrer Völker entsprachen ?

Damit haben die Imperialisten der Westmächte der deutschen Nation ungeheuren Schaden zugefügt. Sie haben über Europa und die Welt aufs neue die Gefahr gebracht, daß von Westdeutschland aus ein entsetzlicher Krieg entfesselt wird.

Die Führer der Sozialdemokraten in Westdeutschland und Westberlin hatten weder die Lehren der Vergangenheit beherzigt, noch hatten sie das Klassenbewußtsein, die Voraussicht, den Mut, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, noch die nationale Verantwortlichkeit, sich dieser für die deutsche Nation so verderblichen Politik entgegenzustellen. Sie haben sich von den westdeutschen Imperialisten ins Schlepptau nehmen lassen. Sie betreiben eine Politik, die im Gegensatz zu den demokratischen und friedlichen Interessen der deutschen Nation steht.

Der Weg der Deutschen Demokratischen Republik und ihre nationale Mission

Wir in der Deutschen Demokratischen Republik, wir im Osten Deutschlands sind konsequent den Weg des Friedens gegangen. Wir haben alles für den Frieden Notwendige getan.

Alles, was wir taten, war vor allem von der Leidenschaft beseelt, den Frieden für Deutschland zu erhalten und die Kräfte, die die Deutschen in eine neue Katastrophe treiben wollen, nicht zum Zuge kommen zu lassen, sie für immer aus den Reihen der Nation auszumerzen.

Wir haben in der Deutschen Demokratischen Republik, also dort, wo die Werktätigen das Heft in der Hand haben, die Grundsätze der Anti-Hitler-Koalition für die Gestaltung der deutschen Nachkriegsverhältnisse konsequent entwickelt. Wir haben in jeder Beziehung die Lehren des zweiten Weltkrieges beherzigt. Der preußisch-deutsche Militarismus, Geißel der Deutschen und Geißel anderer Völker, wurde mit der Wurzel gerodet. Jedem Drang nach Eroberungen, jedem Streben nach Raub und Beute, nach dem Territorium anderer Völker wurde der Boden entzogen.

Bei uns gilt der Revanchismus als Verbrechen, das gerichtlich geahndet wird. Kriegs- und Naziverbrecher wurden entmachtet und bestraft. Bei uns gibt es keine Fabrik, kein Werk, kein Büro, kein Stück Boden, die den Interessen von Kriegs- und Rüstungsgewinnlern dienen. Wer bei uns gegen andere Völker hetzt, wer zum Krieg auffordert, wird als Feind des Volkes angesehen.

Die Grundforderungen der deutschen Arbeiterbewegung, die menschlichsten Ideen aller großen deutschen Humanisten: Frieden, sozialer und kultureller Fortschritt, internationale Zusammenarbeit und Völkerverständigung, sind die Grundlage der Staatsdoktrin der Deutschen Demokratischen Republik.

Weil in der Deutschen Demokratischen Republik das imperialistische militaristische System mit aller Konsequenz beseitigt wurde, ist sie ein Faktor des Friedens in Europa und in der Welt.

So hat die Deutsche Demokratische Republik alle Voraussetzungen erfüllt, damit das deutsche Volk entsprechend dem Potsdamer Abkommen wieder einen gleichberechtigten und geachteten Platz in der Familie der friedliebenden Völker einnehmen kann.

Geht es nach der Deutschen Demokratischen Republik, dann wird niemals mehr von Deutschland aus ein anderes Volk angegriffen werden.

Geht es nach der Deutschen Demokratischen Republik, dann wird niemals wieder in Europa ein Krieg ausbrechen.

Geht es nach der Deutschen Demokratischen Republik, dann siegt der Geist der Verständigung zwischen allen Völkern. Europa würde nie wieder ein blutender Kontinent, sondern wäre für immer ein Kontinent des Friedens, der Sicherheit und der friedlichen Arbeit.

Darin sieht die Deutsche Demokratische Republik ihre nationale Mission.

Und deshalb erklärt die Deutsche Demokratische Republik mit Fug und Recht, daß sie allein im Namen aller Deutschen, im Namen und im Interesse der ganzen deutschen Nation und im Namen der Freundschaft zu allen Völkern spricht.

Der westdeutsche Staat
der unbewältigten Vergangenheit

Was aber ist aus dem anderen deutschen Staat, der sogenannten Bundesrepublik Deutschland, geworden, die mit Hilfe der Imperialisten der Westmächte ins Leben gerufen und entwickelt wurde ? Niemand kann es übersehen: Rüstungsmonopole, Militaristen und Chauvinisten beherrschen diesen Staat, der die Fortsetzung des Hitler-Staates ist. Der Geist der militaristischen Knechtung und imperialistischen Eroberung dringt immer stärker in alle Poren des westdeutschen Lebens ein und droht aufs neue breite Massen mit Chauvinismus zu verseuchen.

Die reaktionäre militaristische Vergangenheit wurde in Westdeutschland nicht bewältigt, sondern sorgfältig konserviert. Von den Kriegs- und Naziverbrechern wurden nur wenige bestraft, und viele von ihnen nehmen führende Positionen ein. Das eben im westdeutschen Bundestag angenommene Verjährungsgesetz ist Verhöhnung und Betrug der Welt und nichts anderes als eine schamlose Amnestie der Kriegs- und Naziverbrecher.

Notstandsgesetze bedrohen den noch verbliebenen Teil einer bürgerlichen westdeutschen Demokratie, die Kämpfer für den Frieden und insbesondere die Rechte der Arbeiterklasse und der Gewerkschaften.

Der westdeutsche Staat ist der Staat der deutschen Imperialisten, die bedauern, daß der Krieg Hitler= Deutschlands, der schließlich ihr Krieg war, verlorenging, und die nun Revanche für ihre Niederlage im zweiten Weltkrieg suchen. Unter der Flagge des Antikommunismus streben sie erneut nach der Vorherrschaft in Europa.

Diesem Revanchegeist wird das Leben der Westdeutschen mehr und mehr unterworfen.

Der Nachfolger des Hitler-deutschen Generalstabes, der Führungsstab der westdeutschen Bundeswehr, hat in seiner "Vorwärtsstrategie" kaltblütig einen Atombombenkrieg einkalkuliert. Dessen Folgen würden alle im zweiten Weltkrieg verübten Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit vieltausendfach übertreffen.

Die Hitler-Generale und die von ihrem Geist erfüllten Offiziere, die die westdeutsche Armee beherrschen, greifen nach nuklearen Massenvernichtungsmitteln und haben den Plan ausgeheckt, einen Atomminengürtel quer durch Deutschland zu legen. Welch ein verbrecherischer Anschlag auf die deutsche Nation !

Der westdeutsche Imperialismus hat eine der zahlenmäßig stärksten Armeen des kapitalistischen Lagers aufgestellt. Und der Geist dieser Armee ist der revanchelüsterne Geist der großen Konzerne, der ehemaligen Wehrwirtschaftsführer Hitlers, der Hitler-Generale und Hitler-Offiziere, die die Bundeswehr erziehen und leiten und die westdeutsche Jugend vergiften.

Sie möchten die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges rückgängig machen und ihre Herrschaft zunächst bis an die Grenzen des ehemaligen Hitler-Reiches ausdehnen. Sie möchten die Deutsche Demokratische Republik schlucken und sich an den von den deutschen Werktätigen geschaffenen Werken und Reichtümern gesundstoßen. Sie möchten Westberlin annektieren. Sie möchten sich das Territorium unserer östlichen Nachbarn einverleiben und die mit uns befreundeten und verbündeten sozialistischen Staaten des Ostens zu ihren Vasallen und Knechten machen.

Die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Führer Westdeutschlands versuchen, die Masse der Westdeutschen und ganz besonders die Soldaten der westdeutschen Bundeswehr mit tierischem Haß gegen den Sozialismus und gegen alles Fortschrittliche, gegen die Deutsche Demokratische Republik und ihre Bürger zu erziehen.

Sie sind bereit, Verbrechen in Europa zu begehen, die die Hitler-Taten - wenn möglich - noch übertreffen. So ist heute die westdeutsche Armee, diese Armee des westdeutschen Imperialismus, eine der gemeingefährlichsten, den Frieden bedrohenden Armeen des imperialistischen Lagers.

Sie ist eine unerhörte Gefahr für die deutsche Nation, für die Völker und den Frieden Europas und der Welt. Wer diese westdeutschen Militaristen, wer diese auf Revanchismus ausgehende westdeutsche Macht unterstützt und fördert, wiederholt die Unterstützung und Förderung, die von westlichen Imperialisten dem Hitler-Regime bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges erwiesen worden ist.

Wer diesen westdeutschen Militaristen Atomwaffen oder die Mitverfügungsgewalt über Atomwaffen in die Hände spielt, versündigt sich am Frieden der Welt, an der physischen Existenz der Deutschen und der Völker Europas,

Einheit für Frieden oder Einheit für Krieg ?

Diese mit Hilfe der Imperialisten der Westmächte aufgebaute militaristische westdeutsche Staatsmacht ist das entscheidende Hemmnis für die friedliche Lösung der deutschen Frage.

Die Deutsche Demokratische Republik, die Volkskammer, der Staatsrat, die Regierung, die Nationale Front, das Voll; und seine Parteien, lassen sich stets von humanistischer und nationaler Gesinnung leiten.

Die Deutsche Demokratische Republik, ihre Volkskammer und ihr Staatsrat, ihre Regierung, ihre Nationale Front, ihr Voll; und ihre Parteien, sind die wahren Vorkämpfer für die Einheit der deutschen Nation und für die Schaffung eines einheitlichen demokratischen und friedliebenden Deutschlands.

Und weil wir das sind, kämpfen wir für die nationale Einigung eines solchen Deutschlands, von dem niemals wieder ein Krieg, von dem nur der Frieden ausgehen kann.

Weil wir die Sachwalter der Interessen der ganzen deutschen Nation sind, kämpfen wir für die nationale Einigung eines solchen Deutschlands, in dem es keine Reaktion, sondern nur sozialen und kulturellen Fortschritt in einer echten Demokratie gibt.

Weil wir unser ganzes deutsches Volk lieben, weil wir die Interessen der ganzen deutschen Nation vertreten, muß dieses national vereinigte Deutschland ein Friedensfaktor in Europa und darf niemals ein neuer Kriegsfaktor sein.

Deutschland war von 1871 bis 1945 ein einheitliches Deutschland. Ein einheitliches Deutschland allerdings nicht unter der Herrschaft des Vollces, sondern unter der Herrschaft der deutschen Imperialisten und Militaristen. Und was kam aus dieser Einheit heraus? Sie gebar zwei Weltkriege.

Eine solche Einheit, die Weltkriege hervorbringt, bringt Unglück dem deutschen Volk und den anderen Völkern.

Das heißt: Die nationale Einheit Deutschlands unier der Führung der westdeutschen Imperialisten und Militaristen, die einen dritten Weltkrieg mit Kernwaffen ansteuern, wäre die  größte Gefahr für das deutsche Volk selbst wie für die anderen Völker.

Und wenn von einer amerikanischen oder englischen Regierung öder von anderen kapitalistischen Regierungen über die Notwendigkeit der Einheit Deutschlands gesprochen wird, dann richten wir an die Völker dieser Länder die Frage:

Hat Euch die Einheit Deutschlands unter Kaiser Wilhelm etwas Nützliches gebracht oder gar den Frieden gesichert?

Hat Euch die Einheit Deutschlands unter Hitler etwas Nützliches gebracht oder gar den Frieden gesichert?

Wurdet Ihr nicht im Zeichen dieser "deutschen Einheit" in zwei Weltkriege verwickelt ? Habt Ihr Völker, die Ihr so viel Blut lassen mußtet, Euch nicht selbst geschworen, daß niemals wieder ein Deutschland entstehen darf, das neue Kriege entfesselt? Seid Ihr Völker nicht immer dafür eingetreten, daß das neue Deutschland ein Deutschland sein muß, das friedfertig ist und auch Euren Frieden garantiert ?

Das ist genau das, was die Deutsche Demokratische Republik, der erste deutsche Arbeiter-und-Bauern-Staat, will.

Die Einheit Deutschlands darf nie zur Stärkung des militärischen Potentials, des Rüstungspotentials, des Soldaten-Potentials, des geographisch-strategischen Potentials von Revanchepolitikern und Aggressoren dienen.

Die Folgen einer "nationalen Einheit" unter Führung der westdeutschen Konzerne, imperialistischen Politiker und Hitler-Generale wären in der Tat nur zu vergleichen mit der Machtergreifung Hitlers über Deutschland am 30. Januar 1933.

Eine solche "nationale Einigung" würde den Ausbruch eines furchtbaren Krieges mit modernen Kernwaffen, mit der Vernichtung des größten Teils der deutschen Nation, mit der Verheerung Europas, würde eine unerhörte Katastrophe für die ganze Welt zur Folge haben.

Im Interesse der deutschen Nation, im Interesse aller anderen Völker Europas, im Interesse des Friedens Europas und der Welt kämpft daher der erste FriedensStaat der Deutschen, die Deutsche Demokratische Republik, für eine solche nationale Wiedervereinigung Deutschlands, die den Frieden und die friedlichen Interessen der Deutschen und aller anderen Völker garantiert.

Und wenn die Völker Frankreichs, der USA, Großbritanniens und anderer kapitalistischer Länder uns in diesem Kampf unterstützen, so würden sie der Entspannung, dem Frieden und uns Deutschen einen großen Dienst erweisen.

Die große Verantwortung der Westdeutschen

An der Schwelle des dritten Jahrzehnts nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges wenden sich die Volkskammer, der Staatsrat, die Regierung und die Nationale Front des demokratischen Deutschland an die Westdeutschen und fordern sie auf, das Ihre zu tun, damit aus Westdeutschland ein friedlicher Staat ohne Atomrüstung, ohne Revanchismus werde.

Wir fordern die Bürger Westdeutschlands auf, das Ihre zu tun, damit die Vergangenheit auch in der westdeutschen Bundesrepublik endlich bewältigt, Monopole, Militarismus und Imperialismus endlich entmachtet werden, die die Einheit Deutschlands verhindern und das Leben unseres Volkes bedrohen.

Wir fordern die Bürger Westdeutschlands auf, das Ihre zu tun, damit zwischen beiden deutschen Staaten eine Verständigung über Abrüstung und über den Verzicht auf Kernwaffen in jeder Form, einschließlich der Erlangung der Verfügungsgewalt über sie, zustande kommt.

Wir fordern die Bürger Westdeutschlands auf, die Herstellung normaler sachlicher Beziehungen zwischen den Regierungen der beiden deutschen Staaten zu erzwingen.

Wir fordern die Bürger Westdeutschlands auf, ihre Regierung zu zwingen, alle Pläne des Eindringens in die Deutsche Demokratische Republik und andere sozialistische Länder und ihre Eroberung preiszugeben und endlich zu begreifen, daß die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges nicht ungeschehen gemacht werden können.

Wir fordern die westdeutschen Bürger auf, zu begreifen, daß am Anfang jeder Wiedervereinigungspolitik die Respektierung der in Deutschland und in Europa bestehenden Realitäten steht. Verhandlungen über die Lösung der deutschen Frage kann es weder ohne die Deutsche Demokratische Republik, noch gegen sie geben.

Wir fordern die Bürger Westberlins auf: Laßt Euch nicht hineinziehen in die abenteuerliche Revanchepolitik der in Westdeutschland zur Zeit noch herrschenden Kräfte. Ihr müßtet nämlich die Zeche bezahlen, Nur bei korrekten und sachlichen Beziehungen zu beiden deutschen Staaten können Eure friedlichen Interessen gedeihen.

Wir bitten die Völker und Regierungen der ganzen Welt: Fördern Sie die friedliche Regelung des deutschen Problems, indem Sie für die Abrüstung und eine atomwaffenfreie Zone in Europa, gegen das Mitverfügungsrecht der westdeutschen Bundesrepublik über atomare Waffen in irgendeiner Form und für normale und gleichberechtigte Beziehungen zu beiden deutschen Staaten eintreten.

Am 20. Jahrestag der Befreiung Deutschlands von der Hitler-Barbarei erklären wir den westdeutschen Bürgern, daß die Deutsche Demokratische Republik bereit ist, jeden aufrichtigen, sachlichen Vorschlag zur Entspannung und Verständigung zu erörtern.

An der Schwelle des dritten Jahrzehnts nach Beendigung des zweiten Weltkrieges wenden sich die Volkskammer, der Staatsrat, die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und die Nationale Front des demokratischen Deutschland an die Völker, Parlamente und Regierungen der Welt mit dem dringenden Appell, das Ihre zur Festigung des Friedens Im Herzen Europas beizutragen.

Es geht darum, den Gefahren zu begegnen, die sich infolge der westdeutschen Atomrüstungs- und Revanchepolitik in Europa erheben. Es geht darum, allen europäischen Staaten wirksame gegenseitige Garantien zu schaffen, die sie vor neuen Aggressionen bewahren.

Es geht darum, die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen ohne Diskriminierung und zum gegenseitigen Nutzen zwischen allen europäischen Staaten zu entwickeln. Eine für alle Völker nützliche Zusammenarbeit der europäischen Staaten auf der Grundlage der Achtung, der Souveränität und der Gleichberechtigung ist das Gebot unserer Zeit.

Was not tut, ist eine Verständigung der europäischen Staaten über die Abrüstung und das friedliche Zusammenleben.

Was not tut, sind erste wirksame Schritte, um dringende Fragen der europäischen Sicherheit zu regeln und das internationale Vertrauen zu festigen.

Die Volkskammer, der Staatsrat, die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik und die Nationale Front des demokratischen Deutschland erklären am 20. Jahrestag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus feierlich:

Die Deutsche Demokratische Republik wird auch in Zukunft alle ihre Kräfte dafür einsetzen, daß niemals mehr ein Krieg von deutschem Boden ausgeht, daß Frieden und Sicherheit in Europa gefestigt werden, daß der ganzen Welt der Frieden erhalten bleibt, daß die deutsche Nation zu einem friedlichen demokratischen Staat zusammengefügt wird.

    Berlin, den 5. Mai 1985

Die Volkskammer
der Deutschen Demokratischen Republik

Der Staatsrat
der Deutschen Demokratischen Republik

Der Ministerrat
der Deutschen Demokratischen Republik

Der Nationalrat
der Nationalen Front des demokratischen Deutschland


Quellen: Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik 1965 Teil I. S. 135
© 9. Dezember 2004

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