An das Württemberger Volk !

Wie ich schon erklärt, soll meine Person niemals ein Hindernis sein für die freie Entwicklung der Verhältnisse des Landes und dessen Wohlergehen.

Geleitet von diesem Gedanken, lege ich mit dem heutigen Tage die Krone nieder.

Allen, die mir in 27 Jahren treu gedient oder mir sonst Gutes erwiesen haben, vor allem auch unsern heldenmütigen Truppen, die durch vier Jahre schwersten Ringens mit größtem Opfermut den Feind vom Vaterlande ferngehalten haben, danke ich aus Herzensgrund, und erst mit meinem letzten Atemzuge wird meine Liebe zur treuen Heimat und ihrem Volke erlöschen.

Ich spreche hiebei zugleich im Namen meiner Gemahlin, die nur schweren Herzens ihre Arbeit zum Wohle der Armen und Kranken im bisherigen Umfang niederlegt.

Gott segne, behüte und schütze unser geliebtes Württemberg in alle Zukunft !

Dies mein Scheidegruß.

    Bebenhausen, den 30. November 1918

Wilhelm

Die provisorische Regierung nimmt den Thronverzicht des Königs entgegen.

Eine Thronfolge im Sinne des § 7 der württembergischen Verfassungsurkunde ist nach den durch die Umwälzung vom 9. November geschaffenen Verhältnissen ausgeschlossen.

Die provisorische Regierung dankt im Namen des Volkes dem Könige, daß er in allen seinen Handlungen von der Liebe zur Heimat und zum Volke getragen war und daß er durch seinen freiwilligen Verzicht dazu beigetragen hat, die Bahn für die freiheitliche Entwicklung zu ebnen. Das württembergische Volk vergißt nicht, daß der König mit seiner Gemahlin in Werken der Nächstenliebe stets edel und hilfsreich gehandelt hat.

    Stuttgart, den 30. November 1918.

Die provisorische Regierung:
Blos.    Baumann.    Crispien.    Fischer.    Heymann.    Kiene.
Liesching.    Lindemann.
 

S. M. der König hat anläßlich des heute ausgesprochenen Thronverzichts den Namen und Titel eines Herzogs zu Württemberg angenommen.


Quelle: Regierungsblatt für Württemberg 1918 S. 263
© 13. August 2004

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