Kreisordnung
der Kur- und Neumark Brandenburg

vom 17. August 1825

geändert und ergänzt durch
Verordnung wegen künftiger Verfassung der Kommunal-Landtage vom 17. August 1825 (GS S. 200)
 Allerh. Kabinetsordre vom 26. November 1825, bezüglich auf das der Kreisordnung für die Kur- und Neumark vom 17ten August d. J. beigefügte Verzeichniß der zum Kreistage berechtigten städtischen Abgeordneten (GS. S. 233)
Allerh. Verordnung, wegen der Abänderungen, welche  in der seitherigen Verfassung der Kommunal- Land- und Kreistage des Markgrafthums Niederlausitz eintreten sollen vom 18. November 1826 (GS. S. 110)
Allerhöchste Kabinetsordre vom 27. Januar 1830, das Verfahren der Kreisstände bei Abfassung und Überreichung ihrer Petitionen und Eingaben betreffend (GS. S. 7)
Verordnung über die Befugnisse der Kreisstände in der Kur- und Neumark Brandenburg und im Markgrafthum Niederlausitz, Ausgaben zu beschließen und die Kreis-Eingesessenen dadurch zu verpflichten, vom 25. März 1841 (GS. S. 53)
Verordnung zur Ergänzung der Verordnung über die Befugnisse der Kreisstände in der Kur- und Neumark Brandenburg und dem Markgrafthum Niederlausitz, Ausgaben zu beschließen vom 7. März 1845 (GS S. 159)
Verordnung über einige Grundlagen der künftigen preußischen Verfassung vom 6. April 1848 (GS. S. 87)
Gesetz, betreffend die Aufhebung der Verordnungen über das Recht der Kreisstände, Ausgaben zu beschließen und die Kreis-Eingesessenen dadurch zu verpflichten vom 24. Juli 1848 (GS S. 192)

aufgehoben durch
die Kreis-, Bezirks- und Provinzialordnung vom 11. März 1850 (GS 251)

wiederhergestellt
vorläufig durch Erlaß des kgl. preuß. Ministeriums des Innern vom 28. Mai 1851,
endgültig durch Gesetz über die Aufhebung der ... Kreis-... Ordnung vom 11. März 1850,  vom 24. Mai 1853 (GS 238)

aufgehoben durch
Kreisordnung für die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 13. Dezember 1872 (GS. S. 661)

 

Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preußen ec. ec.

ertheilen, wegen Einrichtung der Kreistage in der Kur- und Neumark Brandenburg, in Gemäßheit des § 58 Unserer Verordnung vom 1sten Julius 1823, nachdem Wir die Vorschläge Unserer getreuen Stände dieser Landestheile auf dem Provinzial-Landtage darüber vernommen haben, folgende Vorschriften.

Durch § 16 der Allerh. Verordnung vom 18. November 1826 wurde die nachfolgende Kreisordnung auch für das Markgrafthum Niederlausitz in Wirksamkeit gesetzt.

§ 1. Zweck der Kreis-Versammlungen. Die Kreisversammlungen haben den Zweck, die Kreisverwaltung des Landraths in Kommunal-Angelegenheiten zu begleiten und zu unterstützen.

§ 2. Kreisständische Bezirke. Die bestehenden landräthlichen Kreise bilden die Bezirke der Kreisstände.

§ 3. Geschäfte der Kreisstände. Die Kreisstände vertreten die Kreiskorporation in allen, den ganzen Kreis betreffenden Kommunal-Angelegenheiten, ohne Rücksprache mit den einzelnen Kommunen oder Individuen.

Sie haben Namens derselben verbindende Erklärungen abzugeben.

Sie haben Staats-Prästationen, welche Kreisweise aufzubringen sind, und deren Aufbringung durch das Gesetz nicht auf eine bestimmte Art vorgeschrieben ist, zu repartiren.

Bei allen Abgaben, Leistungen und Naturaldiensten zu den Kreisbedürfnissen, sollen sie zuvor mit ihrem Gutachten gehört werden, auch von allen Geldern, welche dahin verwendet, sollen die Rechnungen alljährlich zur Abnahme vorgelegt werden. Wo eine ständische Verwaltung der Kreis-Kommunal-Angelegenheiten stattfindet, verbleibt den Kreisständen das Recht, die Beamten dazu zu wählen.

Durch Verordnung vom 25. März 1841 wurde der § 3 wie folgt ergänzt:
"§ 1. Die Kreisstände sind ermächtigt, zu nachstehenden Zwecken mit der Wirkung, daß die Kreiseingesessenen dadurch verpflichtet werden, Ausgaben zu beschließen:
a) zu gemeinnützigen Einrichtungen und Anlagen, welche in den Interessen des gesammten Kreises beruhen;
b) zur Beseitigung den Kreis bedrohenden Nothstandes.
§ 2. Sofern  von den Kreisständen díe Bestreitung der zu Ausführung derartiger Beschlüsse erforderlichen Kosten aus den Kreis-Kommunalfonds beabsichtigt wird, bewendet es bei den Bestimmungen des mittelst Kabinetsorder vom 16. Juli 1838 bestätigten, von Unserm Staatsministerium aufgestellten Regulativs vom 20. Juni nämlichen Jahres über die Verwendung der Kontributions-Überschüsse in den Kreiskassen, so wie der aus denselben erwachsenen Beständen.
§ 3. Sollen dagegen die Mittel zu Erreichung der im § 1 erwähnten Zwecke durch Beiträge oder Leistungen der Kreis-Eingesessenen beschafft werden; so bedarf ein hierüber gefaßter Beschluß der Bestätigung der Regierung, die jedesmal durch das Plenum derselben zu ertheilen ist.
§ 4. Zulagen für Unser Kreisbeamtenpersonale und Zuschüsse zu den Büreaukosten des Landraths können von den Kreisständen überall nicht bewilligt werden.
§ 5. Beschlüsse über Beiträge oder Leistungen der Kreis-Eingesessenen sind auf solche zu beschränken, welche innerhalb der beiden nächsten Kalenderjahre, von der Bestätigung des Beschlusses an gerechnet, aufgebracht werden.
§ 6. Ausnahmen von den vorstehenden Bestimmungen wollen Wir in einzelnen Fällen, wenn auf besondern Verhältnissen beruhende erhebliche Gründe dafür sprechen, dahin gestatten, daß dann
a) auch über solche Einrichtungen und Anlagen Beschluß gefaßt werden darf, bei denen nur ein Theil des Kreises oder ein einzelner Stand interessirt ist, imgleichen
b) Bewilligungen, welche über die Dauer von zwei Kalenderjahren hinausgehen,
stattfinden können, jedoch mit der Maaßgabe, daß dazu jederzeit Unsere ausdrückliche Genehmigung erforderlich seyn soll, wobei Wir in dem sub a. vorgesehenen Falle Uns die Entscheidung vorbehalten, ob die Kosten der Ausführung des Beschlusses vom ganzen Kreise oder dem betreffenden Theile oder Stande allein, aufzubringen sind.
§ 7. Bei jeder in Gemäßheit der Bestimmungen dieser Verordnung an die Kreisstände zu bringenden Proposition soll ein ausführlicher Vorschlag zu dem Beschlusse, welcher
a) über den Zweck desselben,
b) die Art der Ausführung,
c) die Summe der zu verwendenden Kosten, und
d) die Aufbringungsweise,
das Nöthige enthält, ausgearbeitet, und jedem Mitgliede des Kreistages vier Wochen vor dem zur Berathung und Beschlußnahme darüber anberaumten Termine in Abschrift zugefertigt werden.
§ 8. Zur Gültigkeit eines nach den Bestimmungen dieser Verordnung zu fassenden Beschlusses soll überhaupt eine Stimmenmehrheit von drei Vierteln der anwesenden Mitglieder des Kreistages erforderlich seyn; jedoch, wenn auch diese vorhanden seyn sollte, ein Beschluß für nicht zu Stande gekommen erachtet werden, sofern die Kreisstände in Theile gegangen sind, und zwei Stände sich gegen denselben ausgesprochen haben.
Wenn nur ein Stand in der durch die Kreisordnung festgesetzten Form eine abweichende Ansicht erklärt hat, bleibt die Entscheidung Unseren Ministern des Innern und der Finanzen vorbehalten."

Durch Allerhöchste Kabinetsorder vom 7. März 1845 wurde der § 2 der Verordnung vom 25. März 1841 aufgehoben und durch folgende Bestimmungen ersetzt:
"§ 1. Die Kreisstände sind berechtigt, zu den im § 1 der Verordnung vom 25. März 1841 gedachten Zwecken über die jährlichen Nutzungen der Kreis-Kommunalfonds, so wie über die gesparten Einkünfte aus den letzten fünf Jahren zu verfügen. Sie bedürfen dazu nur insofern der Genehmigung der Regierung, als zur Ausführung ihrer Beschlüsse deren Mitwirkung erforderlich ist:
§ 2. Über das Kapitalvermögen des Kreis-Kommunalfonds, zu welchem auch die Ersparnisse aus einer früheren Zeit, als den letzten fünf Jahren gehören, kann von den Kreisständen nur mit Unserer besonderen Genehmigung verfügt werden.
§ 3. In Ansehung der Verfügung über diejenigen Kreis-Kommunalfonds, welche in der Kur- und Neumark aus den Kontributions-Überschüssen sich bilden, so wie über die aus denselben erwachsenen Bestände verbleibt es bei den Bestimmungen des durch die Order vom 16. Juli 1838 bestätigten Regulativs vom 20. Juni desselben Jahres."

Durch Gesetz vom 24. Juli 1848 wurden die Verordnung vom 25. März 1841 und die Allerhöchste Kabinetsorder vom 7. März 1845 wieder aufgehoben.

Durch Gesetz vom 24. Mai 1853 wurde die Kreisordnung samt der Verordnung vom 25. März 1841 und der Allerhöchsten Kabinetsorder vom 7. März 1845wieder hergestellt.

§ 4. Zusammensetzung der Kreisstände. Die kreisständische Versammlung besteht:
A. Aus allen Rittergutsbesitzern des Kreises, denen die im § 6 aufgeführten Bestimmungen sub a. und c. nicht entgegenstehen, nämlich:
    a) aus allen qualifizirten Besitzern eines in der Matrikel der Ritterschaft aufgeführten Ritterguts, persönlich;
    b) aus den nicht qualifizirten Rittergutsbesitzern solcher matrikulirten Guter durch Vertretung (§ 5)
B. Aus einer Anzahl städtischer Deputirten, nach Inhalt des über die Vertheilung der Stimmen unter die Städte beigefügten Verzeichnisses.
C. aus drei Deputirten des bäuerlichen Standes.

§ 5. Vertretungen sind gestattet:
a) unmündigen Ritterguts-Besitzern durch ihren Vater oder Vormund und
b) Ehefrauen durch ihre Ehegatten, in sofern Vater, Vormund und Ehegatte selbst zur Ritterschaft des preußischen Staates gehören.
    Wen dies jedoch nicht der Fall ist, so steht ihnen das Recht zu, zur Abgabe der Stimmen zu bevollmächtigen.
c) unverheiratheten Besitzerinnen;
d) allen qualifizirten Besitzern, in sofern sie behindert sind, persönlich zu erscheinen.

Die Vertreter müssen jederzeit zur Ritterschaft des  preußischen Staats gehören, und die Bedingungen des § 5 ihnen nicht entgegen stehen.

§ 6. Eigenschaft der Mitglieder der Kreisstände. Zur persönlichen Ausübung des Stimmrechts auf den Kreistagen ist bei allen Ständen und gestatteten Vertretern erforderlich:
a) die Gemeinschaft mit einer der christlichen Kirchen;
b) die Vollendung des 24sten Lebensjahrs;
c) unbescholtener Ruf.

Wo dieser Ruf von der Versammlung bestritten wird, ist auf den Bericht des Ober-Präsidenten von Unserm Staatsministio zu entscheiden.

Durch § 5 der Verordnung vom 6. April 1848 wurde der § 6 Buchstabe a) faktisch aufgehoben.

§ 7. Ruhende Stimmen. Rittergutsbesitzer, geistliche oder milde Stiftungen, so wie Städte, welche mehr als ein Rittergut im Kreise besitzen, sind jederzeit nur zur Führung einer Stimme berechtigt.

§ 8. Städte, welche als solche die Berechtigung haben, auf dem Kreistage durch einen Abgeordneten zu erscheinen und sich im Besitz eines Ritterguts befinden, sind ebenfalls nur zur Führung Einer Stimme berechtigt. Wenn sie aber noch in einem andern Kreise Rittergüter besitzen, beschicken sie auch die dortigen Kreisständischen Versammlungen.

§ 9. Städtische Abgeordnete. Zu städtischen Abgeordneten auf den Kreistagen , müssen jederzeit wirklich fungirende Magistratspersonen seyn.

§ 10. Bäuerliche Abgeordnete. Die Abgeordneten des Bauernstandes können nur aus wirklich im  Dienste befindlichen Schulzen oder Dorfrichtern gewählt werden, welche wenigstens das zur Qualifikation eines bäuerlichen Angeordneten zum Provinzial-Landtag erforderliche Grundeigenthum besitzen.

§ 11. Stellvertreter. Für einen jeden Abgeordneten des zweiten und dritten Standes wird ein Stellvertreter gewählt, welcher gleichfalls die § 6, § 9 und § 10 bestimmten Eigenschaften haben muß.

§ 12. Wahlen. In den Städten, welchen eine Virilstimme auf dem Kreistage zusteht, erwählt der Magistrat den Kreistags-Abgeordneten aus seiner Mitte.

In allen übrigen Städten ernennt der Magistrat einen Wähler, und diese treten zur Wahl der Kollektiv-Abgeordneten zusammen.

Sollten sich die Wähler über diese nicht einigen, und eine Gleichheit der Stimmen obwalten, so alternirt die Beschickung des Kreistages jährlich unter den zu einer Kollektivstimme berechtigten Städten. Die Reihefolge unter ihnen bestimmt sodann das Loos.

§ 13. Bei der Wahl der Abgeordneten und Stellvertreter des Bauernstandes wird wie bei der Wahl der Bezirkswähler verfahren.

Ein jeder Landrath hat Behufs dieser Wahlen seinen Kreis in drei Bezirke einzutheilen, in deren jedem ein Deputirter und ein Stellvertreter zu wählen ist.

§ 14. Die Wahlen der kollekitv-wählenden Städte und die des dritten Standes stehen unter Aufsicht des Landraths.

§ 15. Sämmtliche Wahlen erfolgen auf Lebenszeit, jedoch ist ein jeder Gewählte berechtigt, die Stelle nach drei Jahren niederzulegen. Mit dem Verlust des Grundbesitzes oder der amtlichen oder moralischen Qualifikationen hört das Recht für Kreisstandschaft auf.

§ 16. Vorsitz. Der Landrath oder wenn derselbe behindert ist, der älteste Kreis-Deputirte, beruft die Stände zum Kreistage, führt daselbst, wenn Rechte von Familien oder geistlichen Stiftungen nicht eine entgegenstehende Observanz begründen, den Vorsitz, leitet die Geschäfte, und ist verpflichtet die Ordnung in den Berathungen zu erhalten.

Wenn seine Erinnerungen kein Gehör finden, ist er befugt, die Ordnungsstörenden Mitglieder von der Versammlung auszuschließen; jedoch hat er darüber sofort an den Ober-Präsidenten der Provinz zur weitern Verfügung zu berichten.

§ 17. Zusammenberufung der Kreisstände. Der Landrath ist verpflichtet, alljährlich wenigstens einen Kreistag anzusetzen; außerdem aber ist er hierzu berechtigt, so oft als er es den Bedürfnissen der Geschäfte für angemessen hält.

Durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 27. Januar 1830 wurde der § 19 wie folgt ergänzt:
"2) Wenn Fälle vorkommen, welche eine schleunige außerordentliche Zusammenberufung der Kreisstände nothwendig machen, so ist der Landrath nach Inhalt der Kreisordnungen berechtigt, solche zu verfügen. Unterläßt aber derselbe eine solche nothwendige Zusammenberufung, so ist es jedem Mitgliede der Kreistage erlaubt, einzeln, oder im vereine mit andern Mitgliedern beim Landrathe auf deren Ausschreibung anzutragen, und, wenn letzterer darauf nicht eingeht, sich darüber bei den vorgesetzten Behörden zu beschwerden, welche darauf das Nöthige nach Lage der Sache zu verfügen haben. Die Bittsteller aber haben sich hierbei nicht als Kreisstände, sondern nur als Einzelne zu geriren.
3) Wenn eine Beschwerde über die Geschäftsführung des Landraths selbst der Gegenstand ist, über welchen von Einzelnen ein Kreistags-Beschluß für nothwendig erachtet wird, so hat die Regierung, wenn sie die Sache dazu angethan findet, eine außerordentliche Kreisversammlung durch eienn Kreis-Deputirten zusammenberufen und unter dessen Vorsitze abhalten zu lassen."

§ 18.Vereinigung mehrerer Kreise zu einer Versammlung. So lange Kommunal-Gegenstände früherer Kreisverbände abzuwickeln sind, ist die Vereinigung mehrerer Kreise, oder der Theile verschiedener Kreise zu diesen Zwecken gestattet. Gegenstände, welche nur eine Klasse der Stände betreffen, können auf besondern Konventen dieser Stände verhandelt werden.

Durch § 18 der Allerh. Verordnung vom 18. November 1826 wurden für die sechs Kreise der Nieder-Lausitz als Übergangsbestimmung bestimmt:
"§ 18. Die zur Verwaltung der von dem Kommunal-Landtage ressortirenden Angelegenheiten nach der älteren Kreiseintheilung der Niederlausitz, unter Vorsitz der Landes-Deputirten Statt gehabten Konvente, finden in ihrer observanzmäßigen Einrichtung, jedoch mit Hinzuziehung von zwei unter Leitung der Landräthe zu erwählenden Abgeordneten der Magisträte der bisher nicht vertreten gewesenen Städte, und von drei in eben der Art von den Bezirkswählern zu wählenden Abgeordneten des Bauernstandes, noch ferner Statt."

Durch Verordnung vom 29. April 1829 wurde zum § 18 (der Verordnung vom 18. November 1826) bestimmt, daß
"auch auf den im § 18 der gedachten Verordnung zu Verwaltung der von dem Kommunal-Landtage ressortirenden Angelegenheiten abzuhaltenden Konventen des ältern Guberner Kreises, worin die genannten drei Herrschaften sämmtlich belegen sind, zur Wahrnehmung der Interessen ihrer Kommittenten zu erscheinen. Ich beauftrage Sie, den Ständen der Niederlausitz und insonders den hierbei zunächst Betheiligten Solches zu eröffnen, wegen Einberufung der gedachten zwei Abgeordneten zu den Konventen des älteren Gubener Kreises das Erforderliche zu verfügen, und im Übrigen Meine gegenwärtige Bestimmung, da sie eine Deklaration des § 18 der Verordnung vom 18ten November 1826 enthält, durch die Gesetzsammlung zur öffentlichen Kenntniß zu bringen."

§ 19. Beschlüsse. Die Stände verhandeln auf dem Kreistage gemeinschaftlich. Die Beschlüsse werden nach einfacher Stimmenmehrheit gefaßt. Der Landrath hat als solcher keine Stimme. Er stimmt mit, wenn er zugleich Kreisstand ist, kann jedoch auch ohne Stimme den Vorsitz führen.

Bei gleichen Stimmen entscheidet die Stimme des Vorsitzenden, und wenn derselbe nicht stimmfähig ist, die Stimme des ältesten Kreisdeputirten.

Er hat der ihm vorgesetzten Regierung die Kreistagsbeschlüsse vorzulegen, welche zur Ausführung deren Zustimmung erfordern.

Durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 27. Januar 1830 wurde der § 19 wie folgt ergänzt:
"1) Die Wirksamkeit der Kreisstände, als solcher, ist auf die Verhandlungen der Kreistage selbst beschränkt, so daß also Petitionen und Eingaben, welche Namens der Kreisstände überreicht werden sollen, auf dem Kreistage selbst zu berathen, abzufassen und von den anwesenden Mitgliedern der Kreis-Versammlung zu vollziehen sind. Daß dies geschehen, ist immer in dergleichen Eingaben ausdrücklich zu bemerken.  Da in den verschiedenen Kreisordnungen bestimmt ist, daß nach erfolgter gehöriger Konvokation der Anwesenden durch ihre Beschlüsse die Außengebliebenen und Abwesenden verbinden, so ist die nachträgliche Einholung der Unterschriften der letztern weder nothwendig noch zulässig. Es muß jedoch bei der Konvokation bemerkt werden, daß dergleichen Eingaben in Vorschlag gebracht werden sollen.

4) In allen Fällen ist es, wie den sämmtlichen einzelnen Unterthanen und Korporationen, so auch den Mitgliedern der Kreisversammlungen und den letztern  selbst, erlaubt, sich in dem vorgeschriebenen Gange an die Behörden und an Mich Selbst zu wenden. Es bewendet aber hierbei allenthalben in Hinsicht der Unterschrift solcher Eingaben bei den oben ertheilten Vorschriften."

§ 20. Sonderung. Findet ein ganzer Stand durch einen Kreistagsbeschluß in seinen Interessen sich verletzt, so steht ihm, mittelst Einreichung eines Separat-Voti der Rekurs an diejenige Behörde zu, von welcher die betreffende Angelegenheit ressortirt.

Bei Zusammenberufung der Kreisstände hat der Landrath in der Kurrende die zu verhandelnden gegenstände anzugeben. Die Erscheinenden sind dann befugt, einen Beschluß zu fassen, und durch solchen die Außenbleibenden, wie die Abwesenden, zu verbinden.

§ 21. Ausführung. Der Landrath führt die Beschlüsse der Kreisstände aus, in sofern die Regierung nicht eine andere Behörde mit der Ausführung ausdrücklich beauftragt, oder die Sache als ständische Kommunal-Angelegenheit nicht besonders gewählten Beamten übertragen ist.

§ 22. Aufhebung des Gensdarmerie-Edikts, sobald die Kreisstände eintreten. Der Oberpräsident der Provinz hat die zu dem Zusammentritt der Kreisstände nach vorstehenden Vorschriften erforderlichen Verfügungen ungesäumt zu veranlassen, und hören mit deren Wirksamkeit die durch das Gensd'armerie-Edikt vom 30sten Julius 1812 angeordneten Kreisverwaltungen, da wo sie eingeführt werden, auf.

    Gegeben Berlin, den 17ten August 1825

Friedrich Wilhelm

v. Schuckmann
 

 

Verzeichniß
der zu Viril- und Kollektiv-Stimmen auf den Kreis-Tagen berechtigten Städte der Mark Brandenburg

I. Alt-Mark

1) Osterburger Kreis
Seehausen 1 Abgeordneter
Osterburg, Werben, Arendsee 1 Abgeordneter.

2) Salzwedelscher Kreis
Salzwedel 1 Abgeordneter
Calbe 1 Abgeordneter

3) Gardelegenscher Kreis
Gardelegen 1 Abgeordneter
Oebisfelde 1 Abgeordneter

4) Stendalscher Kreis
Stendal 1 Abgeordneter
Tangermünde 1 Abgeordneter
Arneburg und Bismark 1 Abgeordneter
 

II. Priegnitz

1) Ost-Priegnitz
Wittstock 1 Abgeordneter
Pritzwalk 1 Abgeordneter
Kyritz und Meyenburg 1 Abgeordneter

2) West-Priegnitz
Perleberg 1 Abgeordneter
Lenzen und Havelberg 1 Abgeordneter
Wilsneck, Puttlitz und Wittenberge 1 Abgeordneter
 

III. Mittel-Mark

1) Ost-Havelland
Potsdam 1 Abgeordneter
Spandow 1 Abgeordneter
Nauen 1 Abgeordneter
Kremmen, Fehrbellin und Ketzin 1 Abgeordneter

2) West-Havelland
Brandenburg 1 Abgeordneter
Rathenow 1 Abgeordneter
Friesack, Pritzerbe und Rhinow 1 Abgeordneter

3) Ruppinscher Kreis
Neu-Ruppin 1 Abgeordneter
Wusterhausen a. d. D. und Gransee 1 Abgeordneter
Rheinsberg, Lindow, Alt-Ruppin und Neustadt a. d. D. 1 Abgeordneter

4) Ober-Barnimscher Kreis
Wriezen 1 Abgeordneter
Strausberg 1 Abgeordneter
Neustadt-Eberswalde 1 Abgeordneter
Freienwalde und Biesenthal 1 Abgeordneter

5) Nieder-Barnimscher Kreis
Bernau 1 Abgeordneter
Oranienburg, Alt-Landsberg und Liebenwalde 1 Abgeordneter

6) Frankfurter Kreis
Frankfurt a. d. O. 1 Abgeordneter

7) Lebusischer Kreis
Müncheberg 1 Abgeordneter
Fürstenwalde 1 Abgeordneter
Buckow, Lebus, Müllrose und Selow 1 Abgeordneter

8) Teltow-Storkowscher Kreis
Charlottenburg 1 Abgeordneter
Köpenick, Storkow, Teupitz und Wendisch-Buchholz 1 Abgeordneter
Mittenwalde, Zossen, Trebbin und Teltow 1 Abgeordneter

9) Zauche-Belziger Kreis
Treuenbrietzen 1 Abgeordneter
Beelitz, Saarmund und Werder 1 Abgeordneter
Belzig, Brück und Niemegk 1 Abgeordneter

10) Jüterbogk-Luckenwalder Kreis
Luckenwalde 1 Abgeordneter
Jüterbogk 1 Abgeordneter
Dahme 1 Abgeordneter
Zinna und Baruth 1 Abgeordneter
 

IV. Ucker-Mark

1) Prenzlower Kreis
Prenzlow 1 Abgeordneter
Strasburg und Brüssow 1 Abgeordneter

2) Templinscher Kreis
Templin 1 Abgeordneter
Zehdenick und Lychen 1 Abgeordneter

3) Angermündener Kreis
Angermünde 1 Abgeordneter
Schwedt 1 Abgeordneter
Greiffenberg, Joachimsthal und Vierraden 1 Abgeordneter
 

Durch Allerh. Kabinetsordre vom 26. November 1825 erhielt die Ziffer IV. 3) des Verzeichnisses folgende Fassung:

"3) Angermündener Kreis
die Stadt Angermünde 1 Abgeordneter
die Stadt Schwedt 1 Abgeordneter
die Stadt Oderberg 1 Abgeordneter
die Städte Joachimsthal, Greiffenberg und Vierraden zusammen 1 Abgeordneter"
 

V. Neumark

1) Cüstriner Kreis
Cüstrin 1 Abgeordneter

2) Königsbergscher Kreis
Königsberg 1 Abgeordneter
Bärwalde, Fürstenfelde und Neudamm 1 Abgeordneter
Schönflies, Zehden und Mohrin 1 Abgeordneter

3) Soldinder Kreis
Soldin 1 Abgeordneter
Berlinchen 1 Abgeordneter
Lippehne und Bernstein 1 Abgeordneter

4) Arnswalder Kreis
Arnswalde 1 Abgeordneter
Reetz und Neuwedell 1 Abgeordneter

5) Friedeberger Kreis
Friedeberg 1 Abgeordneter
Driesen 1 Abgeordneter
Woldenberg 1 Abgeordneter

6) Landsberger Kreis
Landsberg 1 Abgeordneter

7) Dramburger Kreis
Dramburg 1 Abgeordneter
Callies 1 Abgeordneter
Falkenburg 1 Abgeordneter

8) Schievelbeinscher Kreis
Schievelbein 1 Abgeordneter

9) Sternbergscher Kreis
Zielenzig 1 Abgeordneter
Drossen 1 Abgeordneter
Reppen und Sonnenburg 1 Abgeordneter
Königswalde, Sternberg, Schermeissel und Lagow 1 Abgeordneter

10) Crossenscher Kreis
Crossen 1 Abgeordneter
Sommerfeldt 1 Abgeordneter
Bobersberg 1 Abgeordneter

11) Züllichauer Kreis
Züllichau 1 Abgeordneter
Schiebus und Trebschen 1 Abgeordneter

12) Cottbusscher Kreis
Cottbus 1 Abgeordneter
Peitz 1 Abgeordneter

Durch § 17 der Allerh. Verordnung vom 18. November 1826 wurden die Städte der Niederlausitz dieser Liste angefügt:

"VI. Nieder-Lausitz

1) im Gubener Kreise:
    a) von der Stadt Guben auf 1 Abgeordneten
    b) von der Stadt Fürstenberg auf 1 Abgeordneten
        zusammen auf 2 Abgeordnete;

2) im Sorauer Kreise:
    a) von der Stadt Sorau auf 1 Abgeordneten
    b) von den übrigen im Kreise belegenen Städten auf 1 desgl.
        zusammen auf 2 Abgeordnete;

3) im Lübbener Kreise:
    a) von der Stadt Lübben auf 1 Abgeordneten
    b) von der Stadt Beeskow auf 1 desgl.
    c) von den übrigen Städten des Kreises auf 1 desgl.
        zusammen auf 3 Abgeordnete;

4) im Luckauer Kreise:
    a) von der Stadt Luckau auf 1 Abgeordneten
    b) von den übrigen Städten des Kreises auf 1 desgl.
        zusammen auf 2 Abgeordnete;

5) im Kalauer Kreise:
    a) von der Stadt Kalau auf 1 Abgeordneten
    b) von den übrigen Städten des Kreises auf 2 desgl.
        zusammen auf 3 Abgeordnete;

6) im Spremberg-Hoyerswerdaer Kreise:
    von den sämmtlichen im Kreise belegenen Städten auf 2 Abgeordnete."

Interessant an der vorstehenden Kreisordnung ist, dass die die Kreisordnung über die Provinz Brandenburg hinaus galt. Die Altmark war nämlich 1815 zur neuen Provinz Sachsen zugeschlagen worden, ist aber ständerechtlich weiterhin als ein Teil der Provinz Brandenburg behandelt worden; diese Sonderstellung der Altmark endete erst mit der Kreisordnung von 1872.


Quellen:  Gesetzsammlung für die Königlichen Preußischen Staaten Jahrgang 1825 S. 203
K.H.L. Pölitz, Die europäischen Verfassungen seit dem Jahre 1789 3.Bd., F.A. Brockhaus Leipzig 1833
© 20. März 2016 - 25. März 2015


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